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Mühlen- und Müllerforum "Glück zu!"

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Dieses Thema hat 8 Antworten
und wurde 1.124 mal aufgerufen
 Windmühlen
Roger



Beiträge: 6

30.03.2013 19:58
Welche Flügel für den Wiederaufbau einer BWM? Zitat · Antworten

Hallo zusammen,

ich hab da mal eine Frage. Welchen Flügeltyp soll man an einen Bockwindmühlenwiederaufbau machen? Holz oder Stahlruten , Segel oder Jalosieklappen? Ich tendiere ja zu Hölzernen mit segeltuchbespannung nur so aus dem Bauch heraus. Ich würde da gerne die Meinung von Euch zu lesen.
Gruss aus Weseke
Christian

Askop
Administrator


Beiträge: 610

30.03.2013 23:12
#2 RE: Welche Flügel für den Wiederaufbau einer BWM? Zitat · Antworten

Zitat von Roger im Beitrag #1
Welchen Flügeltyp soll man an einen Bockwindmühlenwiederaufbau machen? Holz oder Stahlruten , Segel oder Jalosieklappen?

Hallo Christian,

Holzruten würden gewiss gut passen und wären auch sehr authentisch. Aber wenn ihr die BWM nicht gerade im Wald oder Park mit hohen Bäumen rundum aufbaut, wo die Flügel windgeschützt sind, würde ich eher davon abraten. In den letzten Jahren haben mehrere neu aufgebaute BWM im Sturm ihre Holzruten verloren, in Kottmarsdorf/Sa. wohl gleich 3x nacheinander. Auch die BWM in Bln-Marzahn hat seit dem Neubau 1992 mehrere Flügelbrüche erlitten, bis Müller Jürgen Wolf unlängst von Fa. Vaags in Aalten/NL Stahlruten anbauen ließ.

Falls euer Verein reich genug ist, spielt es keine Rolle, ob Holz oder Stahl. Nur wenn man rechnen muss und sich nicht aller paar Jahre neue Ruten leisten kann, ist Stahl die bessere und vernünftigere Wahl.

Die Entscheidung zur Wahl des Flügelsystems ist nicht so leicht zu beantworten. Denn ihr werdet ja wohl nicht den leeren BWM-Kasten gekauft haben? Also muss man schauen, ob die Flügelwelle und der Wellkopf durchbohrt sind, um die Zugstange der Jalousiesteuerung aufnehmen zu können. Wenn nicht, muss man nicht weiter diskutieren, da kommen dann nur Segelgatterflügel oder Hecht'sche Federjalousien in Frage. Hecht wäre sicherlich nicht verkehrt und auch regionaltypisch, da die Mühle ja ursprünglich aus Sachsen-Anhalt stammt. Dürfte aber locker das Doppelte kosten wie Segelgatter. Auch wird es schwer werden, einen Mühlenbauer zu finden, der euch Hecht-Flügel baut.

Glück zu!

Roger



Beiträge: 6

31.03.2013 08:26
#3 RE: Welche Flügel für den Wiederaufbau einer BWM? Zitat · Antworten

Guten Morgen,

wie verhält es sich denn preislich Stahl zu Holz ungefähr? Ach ja, der Kopf ist nicht durchbohrt. Danke für die schnelle Antwort und Glück zu.

Frohe Ostern!

Askop
Administrator


Beiträge: 610

31.03.2013 11:20
#4 RE: Welche Flügel für den Wiederaufbau einer BWM? Zitat · Antworten

Zitat von Roger im Beitrag #3
wie verhält es sich denn preislich Stahl zu Holz ungefähr?

In der Anschaffung sind reine Holzflügel wohl billiger als Stahl. Aber auf 30 Jahre gerechnet ist Stahl billiger, weil viel haltbarer bzw. langlebiger.

Beim Holz weiß man auch nie, wie es sich mal verhält, und gutes flügeltaugliches Holz ist heutzutage sehr schwer bis unmöglich zu beschaffen. Bei einem mir bekannten Windmüllerkollegen haben die (neuen) Holzflügel nur 7 Jahre gehalten. Hauptproblem waren die Scheidenlöcher in den Ruten, wo ständig Wasser hineinläuft und schlecht austrocknet. Insbesondere, wenn die Flügel der Schönheit wegen mit Deckfarbe gestrichen wurden. Viele "Vereinsmühlen" haben noch das zusätzliche Problem, dass die Flügel die meiste Zeit nicht drehen und sich dadurch mit Wasser vollsaugen - die Mühle steht sich quasi kaputt. Oder wie eine alte Müllerweisheit besagt: Stillstand ist der Mühle Tod!

Ein weiteres Problem ist die geringe Bruchfestigkeit von Holzruten bei Sturm. In Kottmarsdorf war es so, dass der erste Flügelbruch von der Versicherung bezahlt wurde, denn zum Glück hatten die Kottmarsdorfer eine Sturmversicherung. Aber nach dem zweiten Flügelbruch hat der Versicherer den Vetrag gekündigt und der dritte Bruch musste aus eigener Tasche bzw. mit Hilfe von Sponsoren bezahlt werden.

Bei den meisten Windmühlenrekos der letzten Jahre wurden Stahlruten verbaut; sogar mit dem Segen der Denkmalschützer, weil das Problem der Kurzlebigkeit von Holzruten bekannt ist. Allerdings finde es nicht gut, wenn dabei die für BWM typische Rutenbauweise geopfert wurde und holländische Steckruten verbaut wurden anstatt traditionelle Bruststücke mit aufmontierten Rutenspitzen. So geschehen vor wenigen Jahren an der BWM Vehlefanz/Bbg.
Dagegen hat Müller Wolf bei der Umrüstung seiner BWM (Bln-Marzahn) auf Stahl das klassische System behalten.

Zitat von Roger im Beitrag #3
Ach ja, der Kopf ist nicht durchbohrt.

Ich hatte es geahnt, also ist die Frage des Flügelsystems bereits geklärt.

Glück zu!

Flachmüller
Mühlenpapst Axel I. (Co-Admin)


Beiträge: 533

31.03.2013 11:32
#5 RE: Welche Flügel für den Wiederaufbau einer BWM? Zitat · Antworten

Zitat von Roger im Beitrag #3
Guten Morgen,

wie verhält es sich denn preislich Stahl zu Holz ungefähr?
Billig ist nicht immer günstig! Ich gehe nicht davon aus das es wesentlich teurer wird, aber es hat sehr viele Vorteile das Kreuz aus Stahl zu nehmen.
1. ist es locker 10 mal langlebiger als Holz
2. ist es leichter da es sich ja um Hohlprofile handelt
3. ist es vermutlich widerstandsfähiger bei Sturm
4. ist die Pflege und Wartung der Bruststücke und Spitzen nicht so intensiv, als bei Holzruten
5. weiß man nie was man für Holz bekommen hat und man kann leider auch nicht reinschauen ins Holz, nach Jahren kann es außen hui und innen pfui sein.

Die Frage der Flügel, beantwortet zumeist schon euer Konzept. 2x im Jahr drehen lassen zum Mühlentag und zum Backfest? Oder was habt Ihr vor mit der Mühle?
Besteht der Verein aus Mitgliedern, 65+ oder wie sieht das bei euch im Verein aus? Ich sehe, bis auf wenige ausnahmen abgesehen, niemanden mit 70 Jahren bei Windstärke 5 oder 6 in die Flügel krappeln und Segel setzten, das allerdings ist genau die Windstärke ab wo es überhaupt losgeht. Das gleiche gilt für Türenflügel, sieht nett aus, ist aber bei richtigem Wind vermutlich noch schwerer zu händeln als Segel.
Also, was habt Ihr vor?
Hier ein Link zu einem "Baustoffhändler" für historisches Baumaterial, der verkauft neben einer ganzen Bockmühle (ex Löbnitz-Roitzschjora) auch einen durchbohrten Gußeisernen Wellkopf siehe Link http://www.historische-baustoffe.de/mate...e-muehlenbalken die Welle zu durchbohren ist ein Klacks



Mit öligen Grüßen aus Hamburgs ältester Windmühle und jüngster Speiseölmanufaktur!
Qualität seit 1318

Axel

Roger



Beiträge: 6

31.03.2013 11:42
#6 RE: Welche Flügel für den Wiederaufbau einer BWM? Zitat · Antworten

Hallo,
haben leider den vorhandenen Kopf mit Welle und Kammrad gerade einbauen lassen. Also stellt sich die Frage nur noch für die Brustst ücke und Ruten, Altersstruktur ist bei uns Mitte 40. Aber wahrscheinlich hast du recht, das die MÜHLE NUR 1mal pro Monat läuft. Darüber hab ich mir noch nicht soviel Gedanken gemacht, weil man ja scheinbar auch eine Ausbildung braucht um die Mühle drehen zu lassen. Da weiss ich auch noch nicht wo man das macht.
Glück zu

Askop
Administrator


Beiträge: 610

31.03.2013 13:40
#7 RE: Welche Flügel für den Wiederaufbau einer BWM? Zitat · Antworten

Zitat von Roger im Beitrag #6
haben leider den vorhandenen Kopf mit Welle und Kammrad gerade einbauen lassen.

Das ist schade, aber leider immer wieder das gleiche Problem ... Euer Enthusiasmus in allen Ehren, aber eine historische Mühle ist komplizierter, als sich das ein Laie vorstellen kann. Deshalb wäre es immer gut und besser, sich fachmännischen Rat zu holen - und zwar vorher, bevor man etwas macht, worüber man sich später ärgert und nur aufwändig und teuer geändert werden kann ... oder auch gar nicht.

Ihr seid ja in der glücklichen Lage, dass ein sehr renommierter Mühlenbauer direkt um die Ecke wohnt, den man zu Rate ziehen könnte. Ich war schon 5x dort und musste jedes Mal allein für die Anreise mehr als 700 km fahren, für euch sind's nur lächerliche 25 km.

Zitat von Roger im Beitrag #6
weil man ja scheinbar auch eine Ausbildung braucht um die Mühle drehen zu lassen. Da weiss ich auch noch nicht wo man das macht.

Es gibt Kurse zur Ausbildung als freiwilliger (Wind)Müller. Allerdings ziemlich weit weg in Leer, Osnabrück und Berlin. An eurer Stelle würde ich es mal hinter der Grenze versuchen und den richtigen Umgang mit der Windkraft (inkl. Verhalten bei Sturm) von den dortigen Windmüllern lernen, z.B. bei Johann Johannsen in Bredevoort, weiß aber nicht, ob der heute noch lebt. Ansonsten bieten die Holländer auch Ausbildungskurse für "Vrijwillige Molenaars" an, Ort und Termine könnte man bei Vaags in Aalten heraus finden oder im Internet:

www.vrijwilligemolenaars.nl
www.vrijwilligemolenaars.nl/opleidingen/windmolens

Am besten zum Anlernen wäre sicherlich der direkte Kontakt zu einem versierten Bockwindmüller, aber mir fällt spontan keine BWM in eurer Nähe ein. Also auf nach Berlin, 1 Woche Urlaub im schönen Brandenburg (billiger als die Hauptstadt) und bei Jürgen Wolf auf der Marzahner BWM lernen!

www.marzahner-muehle.de/index.htm

Da die Marzahner BWM aber Jalousieflügel hat, könnte man das fachmännische Auf- und Absegeln gleich um die Ecke erlernen - bei Torsten Rüdinger bzw. Frederic Schüler auf der historischen Mühle in Potsdam-Sanssouci:

Schueler, Frederic_1.jpg - Bild entfernt (keine Rechte) Schueler, Frederic_3.jpg - Bild entfernt (keine Rechte) Schueler, Frederic_2.jpg - Bild entfernt (keine Rechte)
Fotos: Klaus Rudolph, 2009 (zum Vergrößern anklicken!)

Glück zu!

Roger



Beiträge: 6

31.03.2013 14:00
#8 RE: Welche Flügel für den Wiederaufbau einer BWM? Zitat · Antworten

Haben mit Vaags auch schon zusammen gearbeitet. Im Moment arbeitet Martin Zecher für uns , der soll uns auch den Mahlgang und die Flügel machen. Wir arbeiten mit öffentlichen Mitteln und müssen folglich auch mehrere Angebote haben und......

Askop
Administrator


Beiträge: 610

01.04.2013 18:02
#9 RE: Welche Flügel für den Wiederaufbau einer BWM? Zitat · Antworten

Zitat von Roger im Beitrag #8
Haben mit Vaags auch schon zusammen gearbeitet. Im Moment arbeitet Martin Zecher für uns , der soll uns auch den Mahlgang und die Flügel machen. Wir arbeiten mit öffentlichen Mitteln und müssen folglich auch mehrere Angebote haben und......

Okay, aber das ist schon kurios, dass ein Mühlenbauer aus Meck-Pomm mit mehr als 400 km Anreise (mehrmalige) billiger sein soll als der Mühlenbauer vor Ort. Man kann nur hoffen, dass es da keine bösen Überraschungen gibt. Ich denke nur an Spergau:

topic-threaded.php?board=54146&forum=23&threaded=1&id=1811&message=8975
topic-threaded.php?board=54146&forum=23&threaded=1&id=1811&message=9023

Damit nichts falsch verstanden wird: der Murks & Pfusch an der BWM Spergau geht auf das Konto des Herrn Präsidenten und seines ausführenden Mühlenbauers, das war aber eindeutig nicht Martin Zecher.

Glück zu!

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