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Mühlen- und Müllerforum "Glück zu!"

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Dieses Thema hat 34 Antworten
und wurde 3.991 mal aufgerufen
 Wohnmühlen & andere Umnutzungen
Seiten 1 | 2
de twilling



Beiträge: 175

27.08.2010 13:51
Reizthema Wohnmühlen Zitat · Antworten

Erhielt gerade eine Anfrage zu als Wohnung genutzten Mühlen. Ist ja ein Streitthema, vielleicht interessiert es.

Aber liest selbst.

Bis denne

Ingo



The question:



Hallo Herr Arlt,

ich schreibe einen Artikel…
Können sie mir dazu ein paar Fragen beantworten?

1. Gibt es eine Auflistung von Mühlen in Deutschland? Wie viele gibt es und wie viele werden als Wohnraum genutzt? Wie viele gibt es in MV?
2. Was ist das besondere an Wind- und an Wassermühlen?
3. Warum eignen Sie sich als Wohnraum.
4. Haben Sie ein schönes Beispiel?

Mit besten Grüßen




And the answer:



Hallo…



Sie sind mir ja ne Maus…

Sie fragen tatsächlich einen Mühlenfan, was er von Wohnmühlen hält???

Das wäre ungefähr vom Niveau so, als ob sie

einen Vegetarier fragen würden, wie er sein Fleisch haben möchte, zart oder knusprig???



So, nun aber Spaß beiseite.
Eine Windmühle stellte eine mit Wind angetriebene MASCHINE an. Über Jahrhunderte war sie das Spitzenprodukt des Maschinenbaus. Nur die ausreichende Anzahl an Mühlen gewährleistete die Versorgung der Bevölkerung mit Mehl. Noch heute steht die Windmühle als Symbol für die sanfte und umweltfreundliche Nutzung der Naturkraft Wind.

Eine Wohnmühle (umgangssprachlich auch „Wohnklo“ genannt) ist die schlechteste Nutzung eine Mühle. Faktisch wird die gesamte Maschinerie zerstört und entfernt, zurück bleibt nur ein leeres Gerippe, die äußere Hülle. Also, ein Mühlenfan kann sich für so was nicht wirklich begeistern.

Anderseits – so muß man sagen – bleibt von dem Objekt zumindest die Hülle erhalten. Die Mühle bleibt in Nutzung, verfällt nicht, bleibt damit also erhalten. Und ist äußere Hülle !!originalgetreu!!! erhalten, kann diese Mühle weiterhin ein Wahrzeichen der Ortschaft sein! Nur unter diesem Aspekt ist die Wohnnutzung halbwegs akzeptabel.

An Windmühlen haben wir in Meck Pomm – beim Zuzählen sämtlicher Ruinen und Fragmente noch 120 Exemplare, erkennbare Mühlen sind vielleicht gerade mal noch die Hälfte.

Schöne Wohnmühlen – also auch äußerlich originalgetreu!!! und innerlich mit Geschmack, wären:
• Galerieholländer Goldenbow bei Parchim – eine der größten Mühlen des Landes: www.muehle-goldenbow.de

• Turmholländer in Grebbin bei Parchim

• Galerieholländer Grevesmühlen – Mühle mit Wohnung und Glasbläserwerkstatt: www.designmuehle.com



So, ich hoffe, ich konnte ein bissel helfen. Vergessen sie bitte nicht richtige und vor allem die sehenswerten Mühlen zu erwähnen. Eine kleine Auswahl finden sie auf meiner Website unter >sehenswerte Mühlen< wie Stove, Dabel, Neu Vorwerk, Altkalen, Woldegk.

Mit freundlichen Grüßen und dem Müllergruß

Glück zu

Flachmüller
Mühlenpapst Axel I. (Co-Admin)


Beiträge: 533

27.08.2010 14:01
#2 RE: Reizthema Wohnmühlen Zitat · Antworten

Mich würde natürlich interessieren ob die Frau einen Artikel für die "WELT" schreibt.


Grüssli
Axel



Mit öligen Grüßen aus Hamburgs ältester Windmühle und jüngster Speiseölmanufaktur!
Qualität seit 1318

Axel

Askop
Administrator


Beiträge: 610

27.08.2010 21:01
#3 RE: Reizthema Wohnmühlen Zitat · Antworten

Oder BILD?

Glück zu!

Onno ( gelöscht )
Beiträge:

28.08.2010 09:52
#4 RE: Reizthema Wohnmühlen Zitat · Antworten

Zitat von de twilling
Ist ja ein Streitthema.... Eine Wohnmühle (umgangssprachlich auch „Wohnklo“ genannt) ...

Da habe ich doch einen Vorschlag: Mach doch aus deiner Kleenen auch ein schickes Wohnklo und ziehe dann nach Neu Vorwerk. Vielleicht in 20 (?) Jahren hättest Du dann Beides auf einem Grundstück: eine "richtige" Mühle (die große) und eine Wohnmühle gleich nebenan. Weltweit einmalig, und Touristen und Zeitungsschreiberlinge würden dir die Bude einlaufen!

Vielleicht wirst du dann auch gleich noch das Wohnmühlenkompetenzzentrum und siehst solche Reporterfragen nicht mehr als "Reizthema"?!
war ja bloß nen Vorschlag falls du mal ... im Lotto gewinnst.

ultratrieur



Beiträge: 2.209

30.08.2010 08:42
#5 RE: Reizthema Wohnmühlen Zitat · Antworten

Moin Ingo,

Glückwunsch zu Deiner Antwort an die schreibende Zunft - dergleichen wäre mir wahrscheinlich schon wieder als bodenlose Frechheit ausgelegt worden - die üblichen Herren des "ollen Forums" hätten Zeter und Mordio gebrüllt!

Nu aber zum Inhalt: Goldenbow ist für Dich vom äußeren Bild her positiv??? Das wäre nun für mich eines der Paradebeispiele, wo man ohne Rücksicht auf Bestand und Vorbild - ohne Not - einfach irgendetwas an die Mühle gebaut hat, statt zu rekonstruieren bzw. das Bild in der Landschaft zu wahren. Vergleichen wir doch mal:



Jalousieflügel, Kappengalerie und "Freisitz" unter der Windrose als wesentliche funktionelle und gestaltende Elemente, die der Mühle eine Persönlichkeit und etwas Typisches geben.

Und heute?



Tja, zugegeben, die Zahl der Flügel ist gleich geblieben - für den typischen Konsumenten der Springer-Presse dürfte das wohl ausreichen, um im Landschaftsbild den Eindruck von MÜHLE zu erwecken. Für mich signalisiert das eine 0815-Standard-Sanierung ohne Herz und ohne Bezug zum Objekt und seiner Geschichte. Traurig, traurig, traurig... da ist mir das Bild, das ich aus den 80ern noch persönlich kenne fast lieber:




Was das Thema der generellen Unmöglichkeit von Mühle und Wohnen nebeneinander angeht, habe ich eine etwas differenziertere Meinung. Ja, es ist ist schwierig und in den allermeisten Fällen kommt auch im Mühlensinne nix Vernünftiges bei raus. Aber muss das so sein? Rövershagen und die Meldorfer Nordermühle (so wie ich sie in den 80ern kennen gelernt habe) sind m.E. positive Beispiele - nur , dass die Objekte vom Wohnkomfort her mit "normalen" Ferienhäusern in vielen Punkten nicht mithalten können. Die Probleme fangen m.E. erst da an, wo die Umnutzer um jeden Preis Badezimmer, Gästeklo, Kaminzimmer und Sat-Anlage in ihre (ehemalige) Mühle reinbringen wollen.

Dass der Sinn für die Mühle, insbesondere ihre Technik und deren Geschichte bei den Datscha-Umnutzern nicht besonders entwickelt ist, wer will denen das vorwerfen? Beim Museums- und Denkmalvolk sieht das doch selten besser aus. Da haben die Wohnumnutzer aus meiner Sicht sogar noch den Bonus, dass sie es einfach nicht besser wissen können. Im Gegenteil zu den Mengen von Mühlenverwurstern, die sich selbst und gegenseitig auf die Schultern klopfen, weil wieder soooo eine schööööne Mühle mit sage und schreibe VIER Flügeln restauriert worden ist.

Naja, genug Polemik für heute - ich muss jetzt noch ne Mühle planen .

Grüßli und GZ!

Flrian



Flo der Liebe

Gelöschtes Mitglied
Beiträge:

30.08.2010 13:42
#6 RE: Reizthema Wohnmühlen Zitat · Antworten

Lieber Florian,

vielen Dank für Deinen Beitrag zu unserer Goldenbower Mühle, die von uns mit sehr viel Herz, Liebe und Mühe erhalten wird und einer Dir offensichtlich völlig ungeliebten Nutzung zugeführt wurde.
Ehrlich gesagt hast Du uns mit Deiner Polemik sehr getroffen und wenn ich Dich richtig einschätze, wirst Du beteuern, daß dies keineswegs persönlich gemeint war, sondern nur der guten Sache diente.
Sorry, wir wußten nicht, daß unsere Bemühungen um die Mühle so eine Beleidigung von Experten wie Dir darstellt, sonst hätten wir sie in dem von Dir vorgeschlagenen 80-er Jahre Zustand gelassen.
Aber wir waren so dumm unser Geld und unsere Freizeit für diese "0815 Sanierung" herzugeben, die im übrigen unter Mitwirkung von solchen Mühlengrößen wie Uwe Karstens, der Firma Paetzmann und Blümner
und anderen Mühlenbesitzern stattgefunden hat. Sicher ist sie kein technisches Denkmal geworden, aber es war auch keine Technik mehr vorhanden.
Auch wenn wir Dich mit unserer Arbeit nicht zufrieden stellen konnten, so sind wir doch froh, daß wenigstens unsere Gäste und die Leute hier aus dem Dorf froh darüber sind, daß die Mühle heute so aussieht,
wie sie aussieht. Aber die wissen es ja auch nicht besser, nicht wahr Florian.

die Goldenbower

ultratrieur



Beiträge: 2.209

30.08.2010 15:10
#7 Liebe Goldenbower! Zitat · Antworten

Nein, es ist definitiv NICHT die Nutzung Eurer Mühle, die ich kritisiere. Ich weiß, dass wir nicht jede denkmalwerte Mühle als produzierendes Museum, als Schauanlage oder was auch immer "Mühliges" erhalten können - es muss Umnutzungen, zu was auch immer geben, wenn Mühle (nur) als landschafts- oder ortsprägendes Element erhalten werden soll. Diesen Ansatz finde ich ganz ausdrücklich gut und kritisiere ihn in keiner Weise.

Das Problem fängt jedoch an, wenn die Mühle im Rahmen dieser Umnutzung dann eben nicht nur innerlich (was ich in Punkto Goldenbow ganz ausdrücklich gut finde) komplett verändert wird, sondern auch äußerlich. Wenn es primär darum geht, die Außenwirkung der Mühle zu erhalten oder wieder herzustellen, sollte man sich doch m.E. daran orientieren, wie die Mühle früher aussah. Oder etwa nicht? Alles Andere führt nicht zum vordergründig propagierten Ziel "äußeres Bild erhalten" sondern zu einem Phantasieprodukt.

Zugegeben - 99,9 % der Vorbeifahrenden werden den Unterschied zwischen Segelgatterflügeln und Jalousieflügeln nicht erkennen, aber wenn wir uns daran orientieren, macht die gesamte Mühlenerhalterszene keinen Sinn, weil ja 99,9% der Vorbeifahrenden ohnehin nicht erkennen, ob da nun eine Phantasie-Vollatrappe oder eine mit viel Herzblut von Fachleuten sanierte Mühlenhülle steht, die dem Vorbild nahe kommt.

Meine Kritik geht auch sicher nicht gegen die ausführenden Firmen, wie Ihr mir offenbar unterstellt. Paetzmann & Blümner haben das geliefert, was bestellt wurde in - soweit ich das von hier aus beurteilen kann - guter Qualität. Auch U. Kartsens wird eine gute Arbeit abgeliefert haben und ggf. seine Gründe gehabt haben, vom Vorbild abzuweichen.

Nur - und das Recht muss man haben, es hier zu sagen, ohne sofort von Euch eins übergebraten zu bekommen - so wie die Mühle jetzt aussieht, hat sie früher NICHT ausgesehen. Bitte schaut Euch die Fotos doch mal an, die Ihr freundlicher Weise auf Eure Homepage gestellt habt. Egal, ob die Leute im Dorf froh sind oder nicht - das ist für mich kein Maßstab für Qualität in der Mühlenerhaltung. Die Leute im Dorf wären sicher genauso froh, wenn das Äußere der Mühle vorbildgetreu bzw. denkmalgerecht saniert worden wäre.

Und was die von mir sicher nicht ganz bierernst gemeinte Option "80er Jahre Zustand so belassen" angeht. Ich gönne Euch, dass Ihr mit und an Eurer Mühle so wie sie jetzt ist ganz viel Freude habt. Gönnt mir bitte doch aber auch meine Freude an Originalsubstanz, in der man Technikgeschichte lesen kann, egal in welch herunter gekommenem Zustand sie ist. Und gönnt mir bitte auch meine Trauer darum, dass ich heute bei einem Besuch in Goldenbow weniger zu sehen und zu erkunden habe als noch vor 25 Jahren. Und versucht das bitte auch mal nicht nur auf Goldenbow bezogen zu sehen: Ihr seid mit Eurer Mühle Teil eines "globalen" Problems, das ich als "Substanzvernichtung durch Sanierung" bezeichnen möchte. Jemand, der heute beginnt sich für Mühlen zu interessieren und die gleichen Orte besucht, die ich in den vergangenen 30 Jahren abgeklappert habe, hat aufgrund der vielfältigen Baumaßnahmen an den Mühlen überhaupt keine Chance mehr, die Dinge zu sehen, denen ich noch begegnet bin. Die Vernichtung von Denkmalsubstanz durch schleichenden Verfall geht wesentlich langsamer als man sich das gemeinhin vorstellt - Baumaßnahmen schaffen das, was 40 Jahre Vernachlässigung nicht geschafft haben in wenigen Wochen oder Monaten!

So wie es für Euch offenbar wichtig ist, dass die Mühle vier Flügel hat (was aus Eurer Sicht absolut legitim ist), ist es eben für mich wichtig, Wissen und Kulturgut zu bewahren. Und da spielt es dann eben schon eine Rolle, was da als Flügel dranhängt und wie die Kappe aussieht.


Ich hoffe sehr, dass wir jetzt mal von der Ebene der gegenseitigen Beschimpfung herunter kommen und Ihr ein wenig mehr versteht, wieso ich Ingos Einordnung der Goldenbower Mühle so vehement widersprochen habe.


Und da die Thematik - wie Ihr schon sehr richtig schreibt - nicht persönlich auf die Goldenbower gemünzt war, spielen wir doch mal den anderen von ingo als positiv dargestellten Fall einer umgenutzten Mühle durch: Grevesmühlen. Gleiches Spiel wie eben... Mühle vorher:



... und Mühle nachher:



Braucht es wirklich den abgedrehten und völlig überzogenen "Expertenblick", um zu erkennen, dass das Äußere der Mühle hier in keiner Weise besonders gut erhalten wurde? Flügelproportionen nicht nur für die Region und das Baujahr untypisch, sondern bis auf die Zahl 4 einfach nur absurd. Hätte die Mühle gar keine Flügel, sähe das m.E. besser aus als so. Für sprossenlose Isofenster im Unterbau habe ich Verständnis, wenn man da drin wohnen will - nur muss man das dann nicht noch als positives Beispiel hervorheben. Oder zählt hier, dass es woanders noch viel schlimmer aussieht???

Auch hier bitte ich wieder, nicht missverstanden zu werden. Ich habe durchaus Verständnis dafür, wenn Mühlenumnutzer mit anderen Prioritäten als meinen eigenen, sich irgendwelche 4 Stck. Holz an die Mühle hängen - als Werbung für die 99,9% unkundigen Passanten. Nur müssen wir, die wir hier mit irgend welchen fachlichen Hintergründen diskutieren, dass deswegen noch lange nicht adeln und unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten positiver drehen als es ist.

Gruß und Glück zu!

Flrian



Flo der Liebe

Onno ( gelöscht )
Beiträge:

30.08.2010 23:06
#8 Hallo Peter! Zitat · Antworten

Moin, also ich kann Deinen Unmut über Florians Bewertung Eurer "Wohnmühle" sehr gut verstehen! Schon alleine die Tatsache, dass Ihr keinen x-beliebigen bzw. selbsternannten Mühlenbauer beauftragt habt, unterstreicht Euer Bemühen und den guten Willen, Euch nicht in eine Reihe mit sogenannten Kitschmühlen stellen zu wollen.

Andererseits gebe ich aber auch Florian Recht: Der Auftraggeber bekommt immer nur das, was bestellt bzw. in Auftrag gegeben wird bzw. wurde. Möglicherweise lag ja hier schon der Hund begraben, dass z.B. Uwe K. selbst abgeraten hat von weitestgehend originalgetreuen Flügeln? Es ist ja bekannt, dass Uwe K. nicht sonderlich viel hält von originalgetreuen Rekonstruktionen bei Windmühlenflügeln und in aller Regel die sogenannten Remklepps empfiehlt. Die er ja auch seiner eigenen Mühle "Sventana" in Langenrade verpasst hat.

Nun gut, nun hat man euch eben Segelgatterflügel empfohlen - leider. Ich hätte es auch besser gefunden, wenn wieder solche Flügel wie 1910 drangekommen wären. Sicherlich auch eine Geldfrage! Aber die hätte man sicherlich mit Hilfe von Zuschüssen und Sponsoren lösen können, was aber vermutlich nicht so schnell gegangen wäre und eure Mühle noch eine Zeit länger ohne Flügel hätte auskommen müssen. Und hier kommen wir wieder zu einem heutzutage leider weit verbreiteten Phänomen, dass nach Ansicht vieler Leute eine Windmühle unbedingt auch Flügel haben muß, egal, welche. Und um diese laienhafte Klientel zu bedienen, wird dann eben Irgendwas rangehängt, Hauptsache Flügel!

Und das ist schade. Aus mühlenbauerischer Sicht wäre vielleicht noch anzumerken, dass Ihr Euch dann konsequenterweise das Geld für den Windrosenbock hättet auch sparen können. Typischerweise werden Kappen mit Segelgatterflügel per Stert bzw. Außenkrühwerk vorgedreht. Windrosen findet man dagegen fast ausnahmslos an selbstregulierenden Flügeln (Jalousien oder Ventikanten).

Sehr häufig hört man das Argument, "wir hätten ja gerne, aber das Geld ..." M.E. ist das kein gutes Argument, weil sich damit alle Fehlsanierungen begründen lassen und sich hinter diesem "Argument" alles verstecken läßt - auch eine ungenügende Beratung. Und das ist m.E. das Hauptproblem. Denn man hätte Euch im Falle von Goldenbow auch zu einer anderen Flügellösung raten können: Erst einmal Jalousieflügel bauen, allerdings ohne Klappen bzw. nur mit Heckscheiten und Saumlatten. Das wäre bestimmt nicht viel teurer gewesen als die jetzigen Segelgatter. Später - wenn einmal Geld vorhanden - hätte man peue á peue Klappen nachrüsten können. Und dann hätte auch die Windrose einen Sinn gemacht.

Aber so, wie ich es jetzt sehe bzw. von Dir dargestellt, ist Euch kein Vorwurf zu machen, dass auch im Falle von Goldenbow wieder mal ein gutes Stück Mühlenauthentizität wegsaniert worden ist. Tragischerweise wohl nicht durch Unvermögen der Mühleneigner (denn ihr habt euch wahrlich gemüht und wolltet "Gutes" tun), sondern durch - zumindest teilweise - falsche Beratung.

Es wäre wirklich schön, wenn andere Mühleneigner bei künftigen ähnlichen Vorhaben aus dem Dargelegten etwas lernen würden. Deshalb, lieber Peter, nimm meine langwierige Ausführung nicht so sehr persönlich. Es ist eher und leider ein allgemeines Problem bei der Erhaltung (oder Kaputtsanierung) der deutschen Mühlenlandschaft, die uns hier im Forum eigentlich sehr am Herzen liegt.

de twilling



Beiträge: 175

31.08.2010 00:28
#9 Übers Ziel hinaus Zitat · Antworten

Florian, beim ersten Lesen deines Beitrages über die Goldenbower Mühle wäre ich glatt an die Decke gesprungen.

Aber glaub mir, nicht aus Freude!!!

Hier haben ein paar Mühlenfreunde, die ich sehr wertschätze, mit viel Herzblut und Engagement aus einem Wrack wieder eine sehenswerte Mühlenanlage gemacht. Dabei haben sie nicht auf blauen Dunst lossaniert, was der heutige Baumarkt hergab, sondern arbeiteten nach dem Rat erfahrener Mühlenbauer. Ziel war es natürlich auch im Äußeren wieder dem Original nahe zu kommen.


Was natürlich nicht komplett gelingen kann, denn die Nutzung ist heute eine andere.



Und für eine Ferienwohnung benötigt man nun mal keine funktionstüchtigen Jalousieflügel. Aber für die Landschafts- und Ortsbild prägende Wirkung sind Flügel für eine Windmühle wichtig. Und bei den heutigen Bauvorschriften muß nun mal Isoscheiben in den Fenster eingebaut, muß das Geländer so ausgebildet werden und und und

Und nicht zu vergessen, wer in Meck Pomm eine Mühle erhalten will, der macht es größtenteils aus puren Idealismus. Geld wird einem nicht hinterher geworfen, das muß man alles selbst bezahlen. Es wäre natürlich schön, wenn nach dem Rat von Experten gleich eine finanzielle Lösung für den meist deutlichen Mehraufwand gezeigt wird. Hat das bei einem schon irgendwo mal geklappt?

Also Florian, bitte, nicht übers Ziel hinaus schießen!

Immer die örtlichen Bedingungen/ Voraussetzungen beachten!

Du hast natürlich Recht, wenn eine technisch komplette und noch dazu einmalige Mühle nur für eine Ferienwohnung Nutzung verwurstet werden soll, ist dein Aufruf absolut gerechtfertigt. Bestes Beispiel wäre hier wohl Neubukow – hier wäre ein Interessent mit Gespür für diese einmalige historische Anlage dringend nötig. Na Interesse?? Stehe dir gern auch mit Rat und Tat beiseite…


Bis denne

Ingo

Gelöschtes Mitglied
Beiträge:

31.08.2010 09:10
#10 RE: Hallo Peter! Zitat · Antworten

Hallo Onno,
schnell noch eine Anmerkung zur Ehrenrettung unseres Uwe K. Die Flügel, die hier so viel Kritik hervorrufen, hängen an unserer Mühle jetzt seit 14 Jahren. Allerdings gehört uns die Mühle erst seit vier Jahren. Bei der Sanierung der Kappe vor drei Jahren hat uns Uwe sehr empfohlen, die Flügel gar nicht wieder anzubauen. Zum einen sicher aus den von Euch genannten Gründen, daß Segelgatter nicht an diese Mühle gehören, vor allem aber, weil Ihr Zustand schon damals eher traurig war. Wir haben uns aber trotzdem entschieden die alten Flügel mit einem frischen Anstrich versehen und Pilzbekämpft und ausgebessert wieder in die Lüfte zu heben. Einfach weil wir unsere Einnahmequelle, die Vermietung im Auge hatten. Ohne Flügel, keine Vermietung, d.h. kein Geld um die nächsten notwendigen Schritte in Angriff zu nehmen.
Nun ist es soweit. Der erste Flügel ist "angeknackst" und wurde am letzten Wochenende von Ingo und Peter gesichert (Tausend Dank noch mal an Ingo!!!!). Für´s nächste Jahr stehen also neue Flügel auf dem Programm.
Wir sind für Ideen zum Bau und zur Finanzierung dankbar. Fördermittel wird es aber nicht geben, daß hat die Denkmalbehörde schon signalisiert. Die sind voll mit Ingos Mühlen beschäftigt .

die Goldenbower

ultratrieur



Beiträge: 2.209

31.08.2010 09:23
#11 Ja was ist denn das Ziel? Zitat · Antworten

Moin Ingo,

nochmal in aller Deutlichkeit: Ich habe absolut nichts gegen die jetzige Nutzung der Goldenbower Mühle. Wirklich nicht, ich hoffe das ist jetzt mal bei Euch angekommen. Ich habe auch nichts dagegen, wenn Leute, die nicht aus der technischen Richtung der Mühlenszene kommen, den Wunsch verspüren, einfach irgendwelche Flügel an die Mühle zu hängen - ohne Rücksicht darauf, was das aus dem äußeren Bild der Anlage macht.

Wofür ich aber eben kein Verständnis habe, ist, dass jemand wie Du, der über den entsprechenden fachlichen Hintergrund verfügt, solch einen Tiefschlag wie die Goldenbower Flügel hier öffentlich adelt und verteidigt - nur weil Dir die Mühlenfreunde vor Ort persönlich ans Herz gewachsen sind.

Zitat
Und für eine Ferienwohnung benötigt man nun mal keine funktionstüchtigen Jalousieflügel.



Nein, das behaupte ich auch nicht und es macht mich ein Stück weit wütend, dass Du mit diesem "Nicht-Argument" kommst... es geht mir bei dieser FeWo-Mühle NICHT um die Funktion, sondern um das äußere Bild. Es besteht also zunächst mal zwischen den Bauleuten dort bzw. Dir und mir Einigkeit über das Ziel, nur dass wir offenbar vollständig unterschiedliche Auffassungen davon haben, was für dieses Bild wichtig ist.

Lass' mich mal bitte etwas weiter ausholen: jede Region und jede Zeit hat an den Mühlen ihre ganz speziellen Spuren hinterlassen. Der Goldenbower Mühle sieht man ähnlich wie bei Deiner Großen z.B. am Unterbau oder auch an der grazilen Stahl-Galerie ganz deutlich an, dass es sich um eine sehr junge Vertreterin ihrer Gattung handelt. Denkt man sich jetzt einfach mal ganz logisch in den Mühlenbau der Erbauungszeit rein, kommen ganz sicher keine Segelgatterflügel als passender Antrieb in Frage. Das ist etwa so, als würde man die Dessauer Bauhaus-Meisterhäuser mit Butzenscheiben versehen. Komisch ist nur, dass diese Art von Frevel am Denkmal Mühle niemanden stört, während das in der Baudenkmalpflege absolut undenkbar wäre. Schlimmer noch: es stört nicht nur niemanden, sondern es finden sich Leute wie Du, die in der Fachwelt einen guten Leumund haben und reden die Sache gut. Was hast Du davon, was gibt Dir das???

Zitat
Und bei den heutigen Bauvorschriften muß nun mal Isoscheiben in den Fenster eingebaut, muß das Geländer so ausgebildet werden und und und



Ja, solche Totschlagargumente kenne ich zur Genüge. Meist kommen sie aus der Richtung von Handwerkern, die ihre Systemfenster an den Mann bringen wollen. Natürlich gibt es Vorschriften, die beachtet werden wollen - aber es gibt Mittel und Wege es mit Kreativität anders zu machen, damit das äußere Bild stimmt und eben nicht der Eindruck entsteht, dass jemand einfach nur schnell fertig werden wollte bzw. sich nicht wirklich damit beschäftigt hat, was das eigentlich ist oder war, das äußere Bild der Mühle, das man erhalten will...

Zitat
Es wäre natürlich schön, wenn nach dem Rat von Experten gleich eine finanzielle Lösung für den meist deutlichen Mehraufwand gezeigt wird.



Lieber Ingo, es wäre definitiv kein Mehraufwand gewesen, diese unsäglichen Flügel nicht an die Mühle zu hängen. Es wäre sicher auch kein finanzieller Mehraufwand gewesen, Jalousieflügel ohne Klappen und ohne Steuerung zu beschaffen. Was fehlte, war der Wille, es so zu machen und (und das ist für mich beinahe das schmerzhafteste an der Sache) die entsprechende Beratung, die den engagierten Mühlenfreunden vor Ort ihre Mühle und deren Geschichte erklärt.

Zitat
Hier haben ein paar Mühlenfreunde, die ich sehr wertschätze, mit viel Herzblut und Engagement aus einem Wrack wieder eine sehenswerte Mühlenanlage gemacht.



Deine Wertschätzung in allen Ehren - mir geht es auch nicht darum, das Herzblut und das Engagement Deiner Mühlenfreunde klein zu reden oder sie gar persönlich zu diffamieren. Die haben sich da wirklich reingehängt und Einiges bewegt, da stehe ich schon ehrfurchstsvoll davor. Nur muss es doch auch mal möglich sein, losgelöst von den Personen das Resultat dieser Aktion zu diskutieren. Aber wieder ist es so, dass kein Mensch zu meinen Argumenten inhaltlich Stellung bezieht, sondern dieses waidwund beleidigte Geheule losgeht und mir unterstellt wird, ich würde engagierte Mühlenfreunde, Fachberater und Baufirmen beleidigen. Trennt doch mal bitte das Fachliche vom Persönlichen - Du bist nicht Deine Mühlen!

Und versuch Dich doch bitte mal Verständnis dafür aufzubringen, dass das Goldenbower Wrack für mich in den 80ern eine sehenswerte Mühlenanlage war, in der ich einen Tag lang rumgeklettert bin und trotz fehlender Technik eine Unmenge von spannenden Details entdeckt habe, während mich heute schon beim Anblick von Draußen das kalte Grausen packt und ich drinnen wahrscheinlich nach fünf Minuten mit der Besichtigung fertig wäre...
Aufgrund der unübersehbaren Zahl von Mühlen, die in unserer Republik irgendwie rumsteht, habe ich es mir abgeschminkt um jede einzelne zu trauern. Abgänge muss man einfach hinnehmen - durch Abrisse, Entkernungen oder durch solche Überformungen. Es zwingt uns aber niemand, diese Zerstörung von Kulturgut öffentlich zu loben und zum Vorbild zu erklären, damit Mühleneigentümer A, B und C sich das zum Vorbild nehmen und auch die letzte halbwegs original erhaltene Mühle verwurschten. Willst Du mal Schuld sein, wenn z.B. aus Walkendorf ein Goldenbow No. 2 geworden ist?


Deinen Wink in Richtung Neubukow habe ich zur Kenntnis genommen - das sprengt allerdings diesen Thread. Dort gibt es ganz andere Probleme als diejenigen, die dieser Diskussion hier zugrunde lagen. Wir können das gern nochmal diskutieren, inkl. Vorschlägen zur Nutzung... wir hatten das ja schon im "ollen Forum". Gibt es von irgendwo her neue Ansätze?

Allet jute erstmal, Gruß und GZ!

Flrian



Flo der Liebe

Onno ( gelöscht )
Beiträge:

31.08.2010 12:14
#12 RE: Hallo Peter! Zitat · Antworten

Zitat von Peter
... die Flügel ... hängen an unserer Mühle jetzt seit 14 Jahren. Allerdings gehört uns die Mühle erst seit vier Jahren. Fördermittel wird es aber nicht geben, daß hat die Denkmalbehörde schon signalisiert.

Oh, das wußte ich nicht, also sorry!

Es gibt wohl nur wenige Bundesländer, wo die Denkmalbehörden selbst Gelder ausreichen. In aller Regel muß man für historische Mühlen andere Finanzierungsquellen und Fördertöpfe erschließen:

- diverse Stiftungen (öffentliche Sponsoren)
- diverse Landesämter (zuständig für Wirtschaft- & Tourismusentwicklung; Dorferneuerung; Infrastruktur usw.)
- EU-Förderprogramme wie z.B. "LEADER plus" (muß man vorgenannten Ämtern abfragen)
- regionale Fördervereine oder Entwicklungsgesellschaften (meist beim Landkreis angesiedelt)
- private Sponsoren (Privatpersonnen und/oder Firmen)

Bessere Chancen hat man natürlich, wenn man einen staatlich anerkannten Denkmalstatus vorweisen kann. Techn. Denkmal scheidet bei euch ja wohl aus, denkbar wäre aber u.U. der Status als Baudenkmal.

Falls es wirklich zu neuen Flügeln kommen sollte, wäre eine Rekonstruktion nahe am ursprünglichen Original wirklich wünschenswert (unabhängig vom Denkmalstatus). Wobei, wie schon gesagt, allein aus Kostengründen nicht sofort und in einem Zuge bereits das Optimum angestrebt werden müßte. Für den Anfang sollte es ausreichen, Jalousieflügel ohne Klappen und ohne Klappensteuerung zu bauen. Das dürfte mit Sicherheit nicht teurer werden als (für Goldenbow) untypische Segelgatterflügel. Damit würde man alle Optionen offen lassen für spätere Nachrüstungen bzw. Komplettierungen ... je nach (finanzieller) Möglichkeit.

ultratrieur



Beiträge: 2.209

31.08.2010 18:04
#13 RE: Hallo Peter! Zitat · Antworten

Auch von mir noch einmal hallo...

Zitat
Ohne Flügel, keine Vermietung, d.h. kein Geld um die nächsten notwendigen Schritte in Angriff zu nehmen.



Ich denke mal kurz an meine letzten Ferienhaus-Urlaube zurück, höre mich im Kollegenkreis um... denke an Erzählungen von Bekannten und Freunden... und mir fällt kein einziger Fall ein, wo jemand in einem Ferienhaus mit Flügeln Urlaub gemacht hat. Mir fallen aber sehr wohl jede Menge Leute ein, die Ferienhäuser vermieten und damit gutes Geld verdienen, OHNE dass da Geflügel im Spiel wäre. So gaaanz zugkräftig kann das Argument wohl nicht sein, oder??

Aber gut, es ist jetzt deutlich geworden, dass Ihr absolut keinen Grund habt, Euch von mir persönlich angegangen und beschimpft zu fühlen - hoffen wir, dass die nächsten Flügel besser zu Eurer Mühle passen werden und dass Ihr vielleicht vorher die Windrose komplett bekommt - das wäre m.E. die sinnvollere Reihenfolge. Und, wer will schon in einem Ferienhaus ohne funktionierende Vordrehung der Kappe Urlaub machen?

Beste Grüße und GZ!


Flrian



Flo der Liebe

Askop
Administrator


Beiträge: 610

31.08.2010 18:59
#14 RE: Hallo Peter! Zitat · Antworten

Zitat von ultratrieur
Und, wer will schon in einem Ferienhaus ohne funktionierende Vordrehung der Kappe Urlaub machen? [grins]

Na ja, ohne sarkastischen Seitenhieb geht's wohl doch nicht?
Wollen wir mal hoffen, daß es auch jeder so versteht und (nicht übel) nimmt.

Glück zu!

de twilling



Beiträge: 175

31.08.2010 22:55
#15 Nicht so schnelle Zitat · Antworten

Ne Florian,

nicht so schnelle. Nu mal Butter bei die Fische. Genau das ist der Punkt – nicht nur bei Neubukow, Goldenbow, Walkendorf… Mühlen sind außer Betrieb. Sie erwirtschaften nicht mehr über ihre Arbeit ihren Erhalt.

Nun kommst du mit deiner heroischen Forderung: Mühlen müssen in ihrem Originalzustand erhalten werden, selbst wenn sie wie Goldenbow – (sorry Peter – daß sie immer als Beispiel dienen muß) – nur noch als Ruine steht.

Da sage ich ehrlich: geil, cool, bin dabei, genau so muß das sein!!!

Bloß dann wache ich auf und stelle fest, das brauch alles Geld!
Und nicht nur ein bissel Taschengeld!
Sondern wir sprechen über komplette Jahresgehälter, über Jahre lang!!!!

Es ist schön, solche Forderungen zu stellen.

ABER, du musst denn auch einen Weg zeigen, WIE das auch in der realen Welt realisiert werden kann!!!

Und wenn einer mit viel eigener Knete – oder nur eigener!! Knete so ein Wrack wieder zu einer äußerlich intakten Mühle macht, dann bestärke ich so einen Idealisten!!!

Und zeige ihn bei eventuellen Schnitzern praktikable Lösungen.
Aber auf gar keinen Fall mache ich ihn in irgendeiner Form rund!!

Ziel soll es schließlich sein, die letzten Mühlen zu erhalten.

Und da sind wir uns wohl einig.


Bis denne

Ingo

ultratrieur



Beiträge: 2.209

01.09.2010 10:05
#16 RE: Nicht so schnelle Zitat · Antworten

Zitat
Nun kommst du mit deiner heroischen Forderung: Mühlen müssen in ihrem Originalzustand erhalten werden



Habe ich mich wirklich so unklar ausgedrückt oder willst Du mich nicht verstehen??? Ich sehe ganz klare Sachzwänge - von denen Geldmangel ein auch mir aus eigener Anschauung gut vertrauter ist - von der 100%-original-Lösung abzuweichen. Was mich eben nur maßlos ärgert und wofür ich kein Verständnis habe, ist wenn diese aus Sachzwängen mit substanziellen Abstrichen vom Optimum durchgeführten Baumaßnahmen dann öffentlich als Vorbild gelobt werden. Das hält eine Abwärtsspirale der Qualität in der Mühlenerhaltung in Gang, die wir seit Jahrzehnten beobachten können und die in letzter Konsequenz dazu führen wird, dass in zwanzig oder dreißig Jahren niemand mehr eine Idee davon hat, wie das äußere Bild so einer Mühle und ihres Umfelds tatsächlich mal "original" ausgesehen hat (abgesehen von historischen Fotos). Wie gesagt - mein Blick dafür "aha, Mühle von 1924... folgerichtig sicherlich Jalousien etc." ist aufgrund von Besuchen an zahllosen Mühlen geprägt worden, die es so heute nicht mehr gibt. Und daran ist eben zum ganz großen Teil nicht der schleichende Verfall oder Abrisswut schuld, sondern fehlendes Qualitätsbewusstsein in der Erhaltungspolitik - eben diese Einstellung "Hauptsache irgendwelche Flügel", der Du hier in diesem Thread bisher ziemlich unreflektiert Vorschub leistest.

In Bezug auf die Bedeutung von Ruinen würde ich Dir gerne mal ein Beispiel bringen:



Das ist die ehemalige Bockwindmühle von Blesendorf in der Uckermark (Brandenburg), wie ich sie Ende der 80er inmitten von Büschen auf einem Acker liegend ohne Zuwegung gefunden habe. Nach einem Brand am Bock ist der ansonsten intakte Kasten zu Anfang der 1950er Jahre in sich zusammen gesackt und seitdem (fast) nicht angerührt worden. Ich habe diesen Ort etliche Male besucht, bei jedem Mal neue spannende Details gefunden und dann zusammen mit meinem Freund LüLüMann-Hagen auf dem Papier eine ziemlich vollständige Rekosntruktion anfertigen können. Dieser Haufen Schrott hat uns (s)eine Geschichte erzählt, wir können heute darin virtuell spazieren gehen und in Gedanken vor Uckermärker Wind mahlen.

Ein ganz ähnliches, wenn auch nicht so intensives Erlebnis war eben mein Besuch in Goldenbow 1985. Die Ruine hat mit mir gesprochen - und obwohl fast vollständig ausgeräumt, hat sie mir anhand der Spuren am Bau eine Menge von sich erzählt. Und das tut sie eben heute nicht mehr. Die Sanierung hat sie mundtot gemacht. Ein ausgestopfter Tiger in der Vitrine - da kann mich wahrlich niemand zwingen, dem etwas Positives abzugewinnen à la "na wenn der Tiger schon tot ist - wir haben wenigstens das Fell".

Zitat
Es ist schön, solche Forderungen zu stellen. ABER, du musst denn auch einen Weg zeigen, WIE das auch in der realen Welt realisiert werden kann!!!



Wie gesagt - es hätte keinen Pfennig mehr gekostet, diese Flügel nicht an die Mühle zu hängen - im Gegenteil, diese Entscheidung hätte Mittel freigesetzt, die in einer dem Vorbild entsprechenden und von mir aus auch noch funktionsgerechte Kappe hätten versenkt werden können. Und - ich gebe zu, das klingt für Dich jetzt sicher sehr provokativ - frag' mal bitte, wie viel die Besitzerin der Blesendorfer Mühlenreste in den vergangenen 40 Jahren investieren musste: 0 (in Worten: Null) € - das kann man sich sogar von Hartz IV, V oder VI leisten!

Zitat
Und wenn einer mit viel eigener Knete – oder nur eigener!! Knete so ein Wrack wieder zu einer äußerlich intakten Mühle macht, dann bestärke ich so einen Idealisten!!!



Ja, da sind wir uns einig!!! Aber bitte mach' doch mal die Augen auf. Siehst Du den Unterschied wirklich nicht??? Diese Mühle ist devinitiv äußerlich nicht intakt!!!!

Zitat
Aber auf gar keinen Fall mache ich ihn in irgendeiner Form rund!!



Nochmal ganz langsam und zum Mitschreiben - Peter ist nicht seine Mühle und auch Du bist nicht Deine Mühlen. Wenn ich Kritik an einem Objekt oder einer bestimmten Baumaßnahme übe, meine ich damit das Objekt oder die Baumaßnahme und behaupte damit nicht per se, dass ein von Grund auf schlechter Mensch mit üblen Absichten dahinter steckt.

Zitat
Ziel soll es schließlich sein, die letzten Mühlen zu erhalten. Und da sind wir uns wohl einig.



Wohl ja, aber worin wir uns offenbar nicht einig sind, ist die Frage, was eigentlich "Mühle" bedeutet und was "erhalten" bedeutet. Für mich ist eine Mühle auch dann "erhalten" wenn sie quasi Bodendenkmal ist - Du machst es daran fest, ob man wenn man davor steht 1-2-3-4 zählen kann...
Unterm Strich wohnen wir da wohl auf zwei unterschiedlichen Planeten und werden nur schwer den Weg zueinander finden .

Trotzdem beste Grüße und weiterhin viel Glück & Spaß beim
"Mühlen erhalten"

Flrian



Flo der Liebe

Flachmüller
Mühlenpapst Axel I. (Co-Admin)


Beiträge: 533

01.09.2010 13:34
#17 RE: Ja was ist denn das Ziel? Zitat · Antworten

Hallo Lüd`s,
na endlich geht hier mal wieder was ab, ich dachte schon die Foren befinden sich in der Totenstarre.
(Zu Uwe`s und Peter`s Verteidigung, den Windrosenbock und Mühlbaufirma habe ich Peter aufgeschwatzt)(Hallo Peter! schöne Grüsse an Deine Frau)
Also zu dem Thema gebe ich beiden Recht, natürlich weiß hier doch jeder worauf Florian hinaus will und er hat doch auch von seinem Standpunkt aus völlig Recht. Bei Kirchen, Schlössern, Burgen, Herrenhäusern und hast du nicht gesehen, wird so auf das Original Wert gelegt, das für die Mundgemeisselte Orgel aus dem 17. Jahrhundert noch ein Mamutstoßzahn aus den matschigen Uralboden gebuddelt wird, um einen Mikroskop großen Splitter zu ersetzen der sich im Inneren auf der Unterseite einer Zierleiste befindet, dafür ist Geld da.
Bei Mühlen ist es leider so, das allmählich bis auf vielleicht die Größe und Breite, eine aussieht wie der andere, wo früher 40 Mühlenbauer und 3 Generationen ihre Handschrift hinterlassen haben, sieht es heute aus als wenn es in Norddeutschland nur einen oder vielleicht zwei Mühlenbauer gab, halt so als wenn es die Mühlen damals bei Tran im Sonderangebot gab und jeder eine zum Schnäppchenpreis mitgenommen hat.
Darüber sind wir uns doch wohl alle einig und es ist ja auch nicht mehr von der Hand zu weisen das es so ist. Mit der These hat Florian also vollkommen Recht. Aber!!!

Zitat: Der Goldenbower Mühle sieht man ähnlich wie bei Deiner Großen z.B. am Unterbau oder auch an der grazilen Stahl-Galerie ganz deutlich an, dass es sich um eine sehr junge Vertreterin ihrer Gattung handelt. Denkt man sich jetzt einfach mal ganz logisch in den Mühlenbau der Erbauungszeit rein, kommen ganz sicher keine Segelgatterflügel als passender Antrieb in Frage.Zitat Ende... Sicher, sicher.

Aber wie es immer so ist im Leben, auch ich habe eine Mühle (Restauriert) Saniert, Renoviert, aber nicht Rekonstruiert bzw. tue dieses noch immer.
Ich wollte die Mühle so haben, wie sie jetzt steht und zwar mit den Materialien die möglichst noch dann halten wenn ich mit 100. Jahren schon die Radischen von unten betrachte.
Denn nach welchem Stand sollte ich die Mühle restaurieren??? Aus der Zeit ihrer Erbauung?? 1828!, mit Segelgattern, Windrose wieder ab und Steert rann? Nö, oder die Zeit um 1871 Die Marode Flügelwelle wurde ausgebaut und durch eine Gußeiserne ausgetauscht, Ihr folgten die Flügel, anstelle der zwei Ruten aus einem Stück wie auch heute wieder, benutzte man nun zwei Bruststücke auf denen vier Spitzen befestigt wurden. es handelte sich hierbei nicht mehr um Segelgatterflügel sondern um Jalousieflügel. Die Jalousien bestanden aus Leinwand, die in rote Ölfarbe getränkt wurden, die Flügel der Riepenburger Mühle waren also zum Zeitpunkt 1871 ROT, was sich heute in der Farbgebung unserer Ruten wiederspiegelt, daher also das Rot und nicht das Grün was Jahrzehnte lang die Farben der Flügel zierte.
Oder die Zeit ihrer Stilllegung 1991? Mit nichts mehr drinnen außer einen mit Rattenscheiße vollgeschissenen Mahlgang und einer Hammermühle, und neuen Flügeln die sich Dank der hervorragenden Qualität nach ca. 100 Umdrehungen selbst zerlegten, da man an Unterlegscheiben, Sprengringen oder selbstsichernden Muttern gespart hatte, irgendwoher muss die Marge ja kommen
Es gibt auch noch einen zweiten Punkt, nämlich: Wer zahlt befielt! Die inzwischen 1,3 Mio.€ die bei uns in der Mühle stecken sind ja keine Gelder die ich zur freien Verfügung habe. Beispiel: Der Mühlenrumpf sollte neu eingedeckt werden, das Denkmalschutzamt wollte eine Schweißbahn aufs Dach nageln, das wollte ich aber nicht, da Steildachbahnen nur bis max. 45° Dachneigung verlegt werden dürfen, da ansonsten die Gewährleistung der anzubringenden Firma wie auch des Herstellern verfällt. Es kann halt passieren das bei zu langer und zu heißer Sonneneinstrahlung die Schweißbahn durch ihr Eigengewicht aus den Nägeln reisst. Daraufhin konnte ich das Denkmalschutzamt mit Engelszungen davon überzeugen das Bitumen Dachschindeln für diese Dachschräge zugelassen sind und das ich dieses auch ein wenig netter fand als die Aufgebratene Schweißbahn, man hat zugestimmt, aber es durften nur Bitumenschindeln der Marke Ideal Standard sein, die das Problem haben das sie nur oben und unten ein paar kleine Klebepunkte haben, womit sie sich wenn die Sonne auf das Dach scheint selbst verschweißen sollen. Wenn diese aber älter werden und ein Sturm unter die Schindeln bläst, brechen diese gerne ab, außerdem gab es die Schindeln nur in Grau, Rot oder Grün.
Ich hatte mich also schlau gemacht und eine Fa. in Norwegen entdeckt die Bitumenschindeln in Schwarz und zudem noch vollflächig verkleben herstellen, der Preis war 1,50€ den m² teurer inkl. Lieferung, das aber war zuviel! Lieber hätte man Schrott aufs Dach genagelt was man nach 15 Jahren wieder hätte erneuern dürfen, also haben wir die zusätzlich Kosten aus eigener Tasche dazugezahlt, bei der Summe noch machbar bei anderen Summen nicht mehr.
Klar ist, eine MÜHLENrestaurierung die auf Kosten von Behörden gehen, werden weitestgehend vom Etat bestimmt und nicht von den Wünschen des Eigentümers bzw. der hist. Vorbilder.
Stellt Euch vor ihr hattet einmal Ventikanten an Eurer Mühle, was denkt ihr werdet ihr maximal bekommen wenn ihr versucht vom Denkmalschutzamt Geld für neue Flügel zu bekommen? 70.000 für Jalousien oder 200.000 für ein neues Ventikantenkreuz?
Das gleiche Problem hat doch unser hoch geschätzter Klaus R. aus S. auch; Restaurierung nach Vorbild gut und schön oder? Aber die Flügel in Straupitz sowie die Windrose sind mit Verlaub völlig für den Arsch, die passen eher an eine "Ferienwohnungsmühle" (entschuldige Peter das Du wieder hinhalten musst) in den Bindestrichkreis als an Eure Mühle. Da muss man halt Mut zur Lücke haben und schauen was man heute braucht, denn die Wind und Umgebungseinflüsse sind nicht die selben wie noch vor 165 Jahren, wenn Du die Ölmühle oder Sägemühle damit antreiben möchtest brauchst Du heute in Deiner Region ordentliche Jalousien mit Stromlinienvorheck "Van Bussel" oder "Venti", das waren Flügelformen die es in der Zeit wo die Mühle ihre Hochblüte hatte gab, Du fährst ja heute auch mit dem VW Bus zu Kümmel um dir Deine Saat zu holen und nicht mit dem Pferdefuhrwerk nur weil es damals so war, oder?.


Fazit: Jeder von Euch hat irgendwie Recht, Florian Wunschträume wären das Optimum, können wir aber wohl grössten teils vergessen.
Und was Peter angeht, lieber Flo, es ist doch wohl ein Unterschied ob ich ein Ferienhaus miete oder absichtlich eine Ferienmühle, oder???
Wenn Du in die Schweiz in den Ski-Urlaub fährst, erwartet man ja eigentlich auch Berge, Schnee und Skilifte, obwohl ich Leute kenne die in Ostfriesland Langlauf machen, weist Du was ich meine?
Wenn ich eine Sonderfahrt mit einer Dampflok miete, möchte ich auch eine Funktionierende Dampflok haben und keine Diesellok nur weil es Millionen andere Menschen auf der Welt gibt die mit einen Dieselbetriebenen Zug fahren.


Ich bin im übrigen froh das es Leute wie Peter, Ingo, Jan und und und gibt, die überhaupt was tun im Thema Mühle und auch Hand anlegen, anstatt immer zu nörgeln und nicht eine Minute im Jahr sich bei einer Restaurierung schmutzig machen. Macht weiter so und lasst Euch nicht entmutigen, man muss eine Sache erst einmal selbst besser machen um Nörgeln zu dürfen (So wie ich)

Glück zu!
Axel



Mit öligen Grüßen aus Hamburgs ältester Windmühle und jüngster Speiseölmanufaktur!
Qualität seit 1318

Axel

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ultratrieur



Beiträge: 2.209

01.09.2010 15:16
#18 RE: Ja was ist denn das Ziel? Zitat · Antworten

Lieber Axel,

das isses doch - Du hast Dir um Deine Mühlensanierung im Detail nen Kopp gemacht und bist bereit, einzelne "Features" in denen Du Dir was ausgedacht hast, mit guten Argumenten zu rechtfertigen. Da gehe ich in den allermeisten Fällen dann auch mit! Richtig gemacht... "form follows function" oder so. Für wichtig halte ich eben, dass man begründet, warum man etwas (anders als "original") macht, dass man Details, die bei der Baumaßnahme unwiederbringlich verloren gehen vernünftig dokumentiert. Und, last but not least, stellst Du Dich nicht hin und erklärst der Fachwelt, dass Deine Mühle von außen oder von innen originalgetreu nach Vorbild erhalten / rastauriert / saniert wurde sondern dass Deine Schwerpunkte eben anders liegen. Das halte ich im Fall Deiner Mühle für absolut legitim!

Die Straupitzer Flügel sind so ein Thema für sich. Ich würde nicht gleich von Attrappen sprechen wollen - immerhin tun sie ja was und seit Ausbau der äußeren drei Klappen ziehen sie ja auch besser und bei weniger Wind als vorher... Hinterzug gab's früher an dieser Mühle wohl nie - aber das war als eine Form von ausgleichender Gerechtigkeit gedacht, da es etliche Mühlen der Region gibt, wo in den letzten Jahren einfach ohne Nachdenken Vorderzug verbaut wurde... Vielfalt schaffen eben... und es hätte 1912 durchaus für den Müller die Möglichkeit gegeben, sich so ein Kreuz irgendwo zu beschaffen - es ist kein Stilbruch wie die Butzenscheiben an den Bauhaus-Häusern. Bei der Materialwahl (Stahlruten) haben wir genauso mit der Haltbarkeit und der Sicherheit argumentiert wie Du. Bei den Bruststücken haben wir darauf geachtet, eine für Region und Erbauungszeit typische offene Variante und kein Kasten-Hohlprofil zu wählen. Die Klappen waren im Auftrag als verzinktes Stahlblech ausgeschrieben und bestellt, dann jedoch als Fehllieferung leider in Alu ausgeführt. Ob das nun so den Unterschied in Optik und Funktion macht??? Der blendende Hochglanz wird auch mit den Jahren weniger werden . Aber auch hier gilt wieder, dass Klaus und ich durchaus bereit sind, die Schwachpunkte unserer damaligen Entscheidung zu diskutieren und relativ offen dafür sind, was man hätte besser machen können und beim nächsten Kreuz auch besser machen wird.

Zitat
Klar ist, eine MÜHLENrestaurierung die auf Kosten von Behörden gehen, werden weitestgehend vom Etat bestimmt und nicht von den Wünschen des Eigentümers bzw. der hist. Vorbilder.



Ja und? Müssen wir das klaglos hinnehmen? Ich dachte, wir wären die Aktivisten, die ehrenamtlich und halbwegs fachkundig antreten, um eine Steigerung der Qualität in zäher Lobbyarbeit zu fordern und irgendwann vielleicht durchzusetzen? Das erreichen wir doch wohl nicht, indem wir uns zurücklehnen, suboptimale Maßnahmen schönreden weil's sowieso nicht besser geht und dann noch öffentlich mantrenartig darauf beharren, wie originalgetreu doch unsere schöne Phantasie-Mühlenwelt ist.

An dieser Stelle komme ich wieder mit einer interessanten Erfahrung aus Straupitz: als unsere große Restaurierung fast in Sack und Tüten war, sah es mal kurz so aus, als würde das Geld nicht ganz reichen. Klaus und ich haben relativ gelassen reagiert und erklärt, dass das Sanierungs- und Nutzungskonzept auch gut ohne Flügel funktionieren wird (die Mühle hatte da ja schon als Ruine etliche Tausend Besucher pro Jahr und eine laufende Ölproduktion) und wir die dann eben einsparen wollen. Ich glaube, es hat keine zwei Tage gedauert und irgend jemand hatte irgendwo das fehlende Geld aufgetrieben. Es ist eben manchmal nur eine Frage der Prioritäten - und wenn man der "Hauptsache Flügel" Ideologie folgt, muss man eben bei den unwichtigen Teilen wie Windrose, Kappengalerie etc. eben Abstriche machen - auch wenn diese für das äußere Bild des Bauwerks prägender und wichtiger sind als die 1-2-3-4 Komponente. und auch hier wieder der Vergleich zu anderen Denkmalsparten: wenn das Geld für die Sanierung von barocken Deckenfresken fehlt weil die Farbe zu teuer ist, wird niemand den Bauherrn in den nächsten OBI oder Praktiker schicken, um sich nen Topp Farbe anmischen zu lassen. Da würde man dann achselzuckend darauf verweisen, dass man das getrost erstmal die nächsten zehn Jahre so stehen lassen kann und darauf warten, dass künftige Generationen mehr Geld und andere Möglichkeiten haben werden als wir jetzt. Dass bei Mühlen so nicht verfahren wird, liegt m.E. nach daran, dass die aktive Szene eben nicht - wie immer vordergründig vorgegeben wird - irgend einem ideellen "Mühlengedanken" oder der Denkmalpflege nachgeht, sondern schlicht spielen will oder sich selbst und der dörflich nostalgischen Romantik ein Denkmal setzen will. Das erklärt auch, warum meine Kritik an einzelnen Baumaßnahmen z.T. so emotional und persönlich verletzt von den Eigentümern / Bauherren der Mühlen aufgenommen wird.

Zitat
Wenn ich eine Sonderfahrt mit einer Dampflok miete, möchte ich auch eine Funktionierende Dampflok haben und keine Diesellok nur weil es Millionen andere Menschen auf der Welt gibt die mit einen Dieselbetriebenen Zug fahren.



Ja genau. Haust Du jetzt in meinen Kerb??? Habe ich das richtig verstanden? Ich denke auch, dass ich wenn ich eine Ferienmühle miete, darauf wert legen würde, dass sie zumindest von außen halbwegs original nach Mühle aussieht und ich nicht mit einer Diesellok abgespeist werde, die aus einem angeklebten Schornstein Räucherstäbchen abfackelt und der Lokführer dazu "Tuuut tuuut" brüllt.

Zitat
Stellt Euch vor ihr hattet einmal Ventikanten an Eurer Mühle, was denkt ihr werdet ihr maximal bekommen wenn ihr versucht vom Denkmalschutzamt Geld für neue Flügel zu bekommen? 70.000 für Jalousien oder 200.000 für ein neues Ventikantenkreuz?



Kennst Du Herrn Ahrbecker in Rodewald? Der wehrt sich seit Jahr(zehnt)en erfolgreich dagegen, dass ihm irgendwelche Flügel an den Paltrock gehängt werden - u.a. weil da einfach Ventikanten mit Drehheck drangehören. Der Erfolg ist, dass dort eine sehenswerte Mühle steht, an der es mich überhaupt nicht stört, dass der 1-2-3-4 Faktor nicht bedient wird. So geht's auch - ohne dass das jemandem weh tut!

Gruß und GZ! nach nebenan

Flrian... der sich jetzt erstmal die von einer Mühlenreparatur öligen Hände waschen gehen muss



Flo der Liebe

Gelöschtes Mitglied
Beiträge:

01.09.2010 16:50
#19 RE: Ja was ist denn das Ziel? Zitat · Antworten

Liebe Disskusionsrunde,

nun mal zum positiven von dem Ganzen. Wir haben den Tipp von Onno aufgegriffen und gleich mal neue Angebote angefordert für Jalousieflügel ohne Klappen und Steuerung. Und die sind genauso teuer wie Segelgatter. Juchu! Für uns eine gute Lösung und für den Rest dieser Runde sicherlich auch. Danke nochmal für die Hilfe. Und nächstes Jahr gibts dann Fotos von einer sehr viel originalgetreueren Goldenbower Mühle!
Nach vier Jahren ist halt noch nicht alles perfekt, wird es auch nie werden, aber auch die Dachsanierung und die neuen Fenster, die für die nächsten Jahre geplant sind werden sicherlich spannend. Für unser Dach haben wir die Axel-Anmerkungen gradezu verschlungen! Bei uns kommen keine Holzschindeln mehr rauf, gab´s bei dieser Mühle nur einmal: nämlich von 1986-2011. Aber da quetschen wir Axel noch mal direkt aus :-)

Silke $ Peter

ultratrieur



Beiträge: 2.209

01.09.2010 17:19
#20 RE: Ja was ist denn das Ziel? Zitat · Antworten

Juchhuhh!! Na ich freu mich! Ganz ehrlich! Gar nicht so sehr, darüber dass das nun mit Jalousieflügeln in Gang zu kommen scheint - viel mehr darüber, dass nach all der Streiterei was Positives rausgekommen ist. Ich bin gespannt!!

Und was ist mit der Windrose? Wollt Ihr nicht erstmal... und danndie neuen Flügel? Sorry, dass ich weiter nörgele...

Grüßli

Flrian



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