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Mühlen- und Müllerforum "Glück zu!"

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Dieses Thema hat 22 Antworten
und wurde 1.425 mal aufgerufen
 Mühlenerhaltung und -betreibung
Seiten 1 | 2
Askop
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Beiträge: 610

11.01.2011 20:48
#1 Projekt "Paltrockwindmühle" in Schönwalde bei Lübben/Brandenburg Zitat · Antworten

Zitat von Lausitzer Rudschau, Regionalausgabe Lübben am 27.12.2010
Fördergeld für historische Windmühle in Schönwalde
Schönwalde Der Mühlenverein Schönwalde Spreewald e. V. bekommt Fördergeld.

»Wir haben vom Landkreis Dahme-Spreewald einen Zuwendungsbescheid in Höhe von 10 000 Euro erhalten«, erklärt Roland Gefreiter.
Wie der Vereinsvorsitzende weiter sagt, sei das Geld für das Teilprojekt »Errichtung, Erhalt und Betrieb einer historischen Windmühle in Schönwalde« - Erstellung einer Machbarkeitsstudie- vorgesehen. Der Mühlenverein hat schon eine Paltrockwindmühle für den symbolischen Preis von 2,38 Euro gekauft. Die Mühle steht jedoch noch in Neuerstedt bei Jessen in Sachsen- Anhalt. Das Bauwerk weise Schäden auf und sei einsturzgefährdet. Geplant sei, die Mühle am jetzigen Standort abzubauen, in einer Scheune in Schönwalde einzulagern, dort aufzuarbeiten und zu sanieren. Ziel ist es laut Roland Gefreiter, die Paltrockwindmühle in Nähe der Grundschule in Schönwalde zu errichten und zu betreiben. Zuvor müsse eine Machbarkeitsstudie erstellt werden, für die der Spreewaldkreis jetzt die 10 000 Euro zur Verfügung stellt. Das Geld stamme aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF).

In der Studie sollen beispielsweise die Tragfähigkeit des Mühlenkonzepts geprüft und die Inhalte sowie Angebote für die Region definiert werden. Zudem soll die zukunftige Betreibung der Mühle inklusive Schaffung von Arbeitsplätzen und Unterstützung des Ehrenamts in der Machbarkeitsstudie dargelegt werden.

Zu den Vorgaben des Fördergeldgebers zähle auch, dass der Mühlenverein Schönwalde im Interesse einer erfolgreichen Umsetzung des Projekts mit dem Mühlenverein Holländermühle in Straupitz (Lieberose-Oberspreewald) sowie der Kanow-Mühle Sagritz (Golßener Land) zusammenarbeiten müsse.

Die Realisierung des Projekts soll mit Fördermitteln, Spenden-und Vereinsgeldern erfolgen, wie Roland Gefreiter erklärt. Kommunales Geld werde nicht eingesetzt.

Mit der Firma Notus Energy, die in den vergangenen Jahren mehrere Windkraftanlagen in der Gemeinde Schönwald errichtet hat, habe der Mühlenverein einen starken Partner an der Seite, der das Projekt finanziell unterstütze. Andreas Staindl/asd1

Quelle: http://www.lr-online.de/regionen/luebben...art1058,3161251

Dazu dieses Foto vom Neuerstädter Paltrock:

Glück zu!

ultratrieur



Beiträge: 2.209

13.01.2011 08:49
#2 RE: Neuer Paltrock für Schönwalde bei Lübben/Brandenburg Zitat · Antworten

Zitat
Zu den Vorgaben des Fördergeldgebers zähle auch, dass der Mühlenverein Schönwalde im Interesse einer erfolgreichen Umsetzung des Projekts mit dem Mühlenverein Holländermühle in Straupitz (Lieberose-Oberspreewald) sowie der Kanow-Mühle Sagritz (Golßener Land) zusammenarbeiten müsse.

Äh, Moment mal bitte??? Gab es dazu im Vorwege irgend eine Kommunikation mit den beiden erwähnten Trägern von Mühlen? Muss dann der Straupitzer Verein mit den Kanowmüllern ZUSAMMEN eine Stellungnahme abgeben? Ich kann mir durchaus vorstellen, dass die Meinungen zu einzelnen Punkten des Paltrock-Projekts sich zwischen diesen beiden Trägern diametral entgegenstehen...

Aber gut, € 10.000,- für eine Stellungnahme, die am Ende sagt: "Lasst den Blödsinn lieber sein...". Sind ja auch nicht verkehrt . Schnell verdientes Geld für nen Haufen Papier, der nicht viel Arbeit macht *LOL*.

Traurig nur: Für € 10.000,- könnte man in Neuerstadt durchaus erste Schritte auf dem Weg zu einer Notsicherung unternehmen, damit zumindest der Status Quo erhalten bleibt und die Hütte nicht übermorgen in sich zusammen sackt.


Gruß und GZ!



Flo der Liebe

Askop
Administrator


Beiträge: 610

13.01.2011 10:46
#3 Schönwalde und die moderne Windkraft Zitat · Antworten

Hier ein ganz aktueller Artikel aus der Gemeinde, wo die neue Paltrockwindmühle entstehen soll. Interessant deshalb, weil der Aufbau des Paltrocks mit Spenden bzw. Geldern des Windparkbetreibers erfolgen soll, der einerseits die Landschaft zerstört hat und sich andererseits als spendabler Gönner und Wohltäter erweisen möchte.

Pikanterweise hat die Gemeinde ud ihr Bürgermeister vor Jahren der Windparkansiedlung per Beschluß zugestimmt, nun ist der Bürgermeister auch Vorsitzender vom neu gegründeten Mühlenverein und spannt sich vor den Karren, den alten Paltrock von Neuerstadt in seine Gemeinde zu holen - und zwar mit Geldern des Windparkbetreibers (siehe vorigen Beitrag).

Zitat von Lausitzer Rundschau vom 13.01.2011, Regionalausgabe Lübben
„Das grenzt schon an Vergewaltigung“
Schönwalde Spreewälder Senioren nehmen die Energiepolitik ins Visier. „Die aktuelle Entwicklung gefällt uns nicht“, sagt der Schönwalder Georg Graf. „Windkraftanlagen schießen wie Pilze aus dem Boden und verunstalten unsere Landschaft.“

[...]

»Etwa 30 Anlagen stehen schon rund um Schönwalde, weitere sind geplant«, erzählt der 75- Jährige. »Wir sind nicht gegen erneuerbare Energie, aber gegen die Art und Weise, wie sie den Menschen aufgezwungen wird. Das grenzt schon an Vergewaltigung.«

[...]

Die moderne Energieerzeugung hat Georg Graf zufolge auch ihre Schattenseiten: »Windkraftanlagen etwa zerstören unser Landschaftsbild und belasten die Anwohner. Zudem liefern sie nicht kontinuierlich Energie, sondern stehen oft still. Uns stört auch, dass einige wenige Leute viel Geld durch den Verkauf von Flächen für Windräder verdienen, das Gros der Bürger jedoch unter den Anlagen leidet«, sagt der Seniorenchef. »Wir würden es gerechter finden, wenn die Leute, die von den Windkraftanlagen profitieren, der jeweiligen Kommune einen Ausgleich zahlen müssten.«


Quelle und vollständiger Artikel: http://www.lr-online.de/regionen/luebben...art1058,3181988

Glück zu!

Askop
Administrator


Beiträge: 610

13.01.2011 10:58
#4 RE: Neuer Paltrock für Schönwalde bei Lübben/Brandenburg Zitat · Antworten

Zitat von ultratrieur
€ 10.000,- für eine Stellungnahme, die am Ende sagt: "Lasst den Blödsinn lieber sein..."

Sehe ich eigentlich auch so. Aber in unsere Stellungnahme werde ich (als Vors. vom Straupitzer MüV) das so nicht reinschreiben können.
Wäre nett, wenn wir hier gemeinsam ein paar sachlich-objektive Gründe zusammentragen könnten, die FÜR oder GEGEN das Projekt sprechen.

Glück zu!

Askop
Administrator


Beiträge: 610

13.01.2011 11:14
#5 Hintergrundinfo zum neuen Paltrock für Schönwalde bei Lübben/Brandenburg Zitat · Antworten

Hier noch ein älterer Zeitungsartikel zum Thema.

Zitat von Lausitzer Rundschau vom 10.05.2010, Regionalausgabe Lübben
Schönwalder Verein will Mühle kaufen
Schönwalde Der Mühlenverein Schönwalde/Spreewald will eine Paltrockwindmühle kaufen. 2,38 Euro soll das historische Bauwerk kosten.

10.05.2010


Diese Paltrockwindmühle, die derzeit in Neuerstadt bei Jessen steht, soll nach Schönwalde im Unterspreewald umgesetzt werden. Der Mühlenverein Schönwalde Spreewald will das Bauwerk sanieren und betreiben.
Foto: Privat

»Diesen symbolischen Preis haben wir mit den derzeitigen Besitzern ausgemacht«, erzählt Roland Gefreiter. Schönwalds Bürgermeister ist der Vorsitzende des Mühlenvereins, der im Juni 2009 gegründet und im Februar dieses Jahres offiziell im Vereinsregister des Amtsgerichts Cottbus eingetragen worden ist.

Großes Interesse

30 Mitglieder zählt die Gemeinschaft inzwischen. »Das Interesse ist sehr groß«, sagt Gefreiter. »Zahlreiche Handwerker und Gewerbetreibende machen mit.« Mitglied sei auch Unterspreewalds Amtsdirektor Jens-Hermann Kleine (CDU).

Ziel des Vereins sei es, die Mühle zu betreiben und dabei die Bürger aktiv einzubeziehen. Standort soll eine kommunale Fläche zwischen dem Obstgarten und dem Rodelberg unmittelbar an der Grundschule werden. »Die Schüler könnten als kleine Mühlenexperten den Aufbau und späteren Betrieb während des Unterrichts begleiten«, sagt der Vorsitzende.

Noch steht die Paltrockwindmühle in Neuerstadt bei Jessen in Sachsen-Anhalt. Die zuständigen Denkmalbehörden dieses Bundeslandes müssen laut Gefreiter der Umsetzung der Mühle zustimmen: »Wir haben positive Signale, jedoch noch keinen schriftlichen Bescheid. Deshalb ist die Mühle noch nicht gekauft.«

Der Vorsitzende rechnet aber damit, dass die Windmühle noch in diesem Jahr erworben und in einer Scheune in Schönwalde eingelagert wird. Dort soll das Bauwerk in den nächsten zwei bis drei Jahren aufgearbeitet und saniert werden. »Die Dauer der Sanierung hängt von Fördermitteln ab«, erklärt Roland Gefreiter. »Wir prüfen derzeit verschiedene Möglichkeiten.« Kommunales Geld werde nicht eingesetzt, versichert der Bürgermeister.

Mit der Firma Notus Energy, die in den vergangen Jahren mehrere Windkraftanlagen in der Gemeinde Schönwald errichtet hat, habe der Mühlenverein einen starken Partner an der Seite, so Gefreiter weiter. »Die Firma hatte die Idee für die Windmühle«, erzählt der Vereinschef. »Sie will uns mit jährlich mehreren Tausend Euro unterstützen.« (Hervorhebung von mir, K.R.)

15 000 Euro pro Jahr

Roland Gefreiter rechnet mit etwa 15 000 Euro Kosten pro Jahr für das Betreiben und Unterhalten der Mühle: »Unser Ziel ist es, die Windmühle wirtschaftlich zu betreiben.« Schaumahlen, Führungen und Ausstellungen seien ebenso geplant wie Feste und das Backen von Brot. Auch das Einrichten eines Ladens oder eines Cafés sei denkbar.

»Wir wollen die Mühle mit weiteren touristischen Attraktionen der Region vernetzen«, erklärt der Vorsitzende. Er hofft, »mit der Windmühle viele Schaulustige und Mühlenfreunde nach Schönwalde zu locken. Sie sollen den kompletten Mahlvorgang nachvollziehen und beobachten können.« Zudem soll der Wiederaufbau der Mühle auf Schautafeln festgehalten werden.

Die Paltrockwindmühle muss in Neuerstadt demontiert, nach Schönwalde transportiert, dort eingelagert und saniert, anschließend am neuen Standort aufgebaut werden. »Notus Energy hat eine Firma beauftragt, die Umsetzung des Bauwerks zu planen«, erzählt Roland Gefreiter.

Schönwalde wäre ihm zufolge der dritte Standort für die Paltrockwindmühle: »Wir wissen aus Unterlagen, dass die Mühle 1936/37 von Grimmen in Mecklenburg Vorpommern nach Neuerstadt umgesetzt wurde. Wann das Bauwerk ursprünglich errichtet wurde, wissen wir nicht.«

Die Grundsteinlegung für den Aufbau der Windmühle in Schönwalde lässt allerdings noch auf sich warten. Sie soll dem Vereinschef zufolge während des Mühlentags 2011 erfolgen. Er hofft, »dass wir spätestens 2015 den Mühlenbetrieb aufnehmen können«. Andreas Staindl

Glück zu!

ultratrieur



Beiträge: 2.209

13.01.2011 13:44
#6 RE: Neuer Paltrock für Schönwalde bei Lübben/Brandenburg Zitat · Antworten

Zitat
Wäre nett, wenn wir hier gemeinsam ein paar sachlich-objektive Gründe zusammentragen könnten, die FÜR oder GEGEN das Projekt sprechen.

Als Grund FÜR das Projekt fällt mir spontan nur der erhebliche Denkmalwert des Objekts verbunden mit der Aussichtslosigkeit auf Erhalt in Neuerstadt ein. Das spricht aber eigentlich nicht für dieses Projekt, sondern für irgend ein Projekt, das die Substanz erhält bzw. die Mühle saniert.

GEGEN das Projekt spricht die mangelnde Nachhaltigkeit. Sowohl die Sanierung als auch der laufende Betrieb werden nicht kostendeckend möglich sein.
Für eine fachgerechte Dokumentation und Demontage, die Einlagerung der Teile, die betriebsfähige Aufarbeitung und Ergänzung der Mühle, den Wiederaufbau plus Erschließung des Grundstücks mit Verkehrswegen und Medien, die Fundamente... nötige Nebengebäude schätze ich das Projekt auf runde € 500.000,- und greife damit sicherlich nicht zu hoch.

Gesetzt den Fall, dass diese Anfangsinvestition auf wundersame Weise zusammen kommt und nicht mit 5% verzinsung p.a. am Kapitalmarkt aufgenommen werden muss, blieben immer noch die laufenden Betriebskosten: sollte man jemanden finden (und das halte ich schon für schwierig bis aussichtslos), der so eine Mühle als Angestellter betreiben kann und will, müssten wir jährliche Bruttolohnkosten in Höhe von mindestens € 30.000,- rechnen... das gäbe ein "Netto" von dem nur Wenige leben könnten oder wollten - dass man den qualifizierten Allrounder, den das Projekt braucht, so bekommt, halte ich für ausgeschlossen.

Aber gesetzt den Fall, man findet so jemanden - wie schafft man es dann, mit dieser Mühle allein die Personalkosten zu erwirtschaften? Trotz der relativ günstigen Lage (direkter Autobahnanschluß BAB13/Ausfahrt Freiwalde, "Tropical Islands" und Spreewald als zugkräftige Nachbarn) dürfte es schwer werden, mehr als 3.000 zahlende Besucher pro Jahr anzuziehen. Selbst bei dieser hoch gegriffenen Besucherzahl, die man überhaupt erstmal erreichen müsste, reden wir also davon, dass Jeder, der da vorbei kommt, ca. € 10,- dort lassen muss. Bei € 2,50 Eintritt, was ich für die absolute Schmerzgrenze ansehe, wäre das also zusätzlich noch ein Konsum (Café, Kuchen, Andenken- und Mehlverkauf etc.) bei dem nochmal € 7,50 für den Mühlenbetrieb hängen bleiben müssten. Um € 7,50 zu erlösen, muss natürlich ein weit höherer Umsatz gemacht werden - wir kommen dazu, dass ... ganz vorsichtig geschätzt... von JEDEM Besucher für ca. € 20,- bis 25,- konsumiert werden muss. Der Wochenendausflug mit Omi und Opi kostet dann für die Familie mit zwei Kindern mal eben € 150,- ??? Das macht doch kein Mensch mit!

Bleibt nur noch die Überlegung, an welcher Schraube man so drehen kann, um die Werte in einen realistischen Bereich zu bringen. Denken wir mal an die Mehlproduktion und Vermarktung unabhängig von den Besucherströmen. Täglich schafft die Mühle vielleicht ne Tonne... hat man einen angestellten Müller mit einer 5-Tage Woche und 30 Tagen Urlaub, bleiben noch 231 minus (wenn's ungünstig läuft) ca. 8 Feiertage unterm Strich 223 mögliche Produktionstage. Die Maschinenverfügbarkeit würde ich bei so einer antiken Anlage bei allenfalls 75% sehen... also bleiben maximal 167 Produktionstage... also: eine Jahresvermahlung von *rechne, rechne* 167 t.

Nehmen wir mal einen Roggenpreis von (ja, jetzt werden Einige von Euch motzen *LOL*) € 150,-/t an, kommen wir auf jährliche Rohmaterialkosten von knapp über € 25.000,-. Abzüglich von ein paar Verlusten durch Schwund, Reinigung und Wasserverlust kommen wir bei einer Ausbeute von 80% auf eine vermarktungsfähige Mehlmenge von ca. 120 t... mit viel Glück bekommt man die vielleicht im Schnitt mit € 0,55/kg verkauft. (Jetzt werden die Nächsten brüllen, wo ich denn soooo einen Preis her habe *LOL*). Macht also 120 x 550 = € 66.000,- Umsatz. Davon ziehen wir nun wieder den Rohstoffeinkauf ab, Handling (also Verpackung und Lieferung), Energiekosten... dann kommen wir als Rest ungefähr auf das, was wir an Lohnkosten angesetzt haben. Hört sich erstmal gut an, isses aber nicht: der angenommene Mehlpreis wird kaum zu erzielen sein, die Abnehmer werden kaum vor Ort neben der Mühle sein. Es werden also noch erhebliche Transportkosten zu zahlen sein... man wird eine Betriebsmittelrücklage bilden müssen...

Auch wenn man das mit belastbareren Zahlen im Rahmen eines Businessplans durchspielt, wird die Aussage stehen, dass sich Müllerei in so kleinem Maßstab nie und nimmer rechnen kann.

Wie sieht es also mit den möglichen "Nebenerwerbszweigen" aus? Kaffee & Kuchen? Mühlenladen? Feine Ideen, an anderen Orten funktioniert sowas ab und an, aber grundsätzlich muss man da auch sehen, dass jeder zusätzlich eingenommene € erstmal Investitionen von fast 1 € braucht. Hinzu kommt, dass ja der eine angestellte Müller nicht gleichzeitig müllern, Kaffee kochen, Geschirr spülen, beraten & kassieren und Mehl ausliefern kann. Da braucht es also zusätzliche bezahlte Manpower oder eine ganz außergewöhnliche Bereitschaft vor Ort, dauerhaft und regelmäßig ehrenamtlich aktiv zu sein (unentgeltlich helfende Ehefrau oder unbezahlte Überstunden = Ausbeutung!!!! ). Beides sehe ich in diesem Fall dort nicht so wirklich...

So weit so gut. Vielleixht macht ja jemand ne Gegenrechnung auf. Ich will nicht in Zweckpessimismus verfallen, aber ich hab einfach schon zu viele an den Baum gefahrene Mühlenprojekte gesehen als dass ich noch wirkliche Träume in Richtung so einer Mühle auf dem platten land hätte. Wenn sich sowas rechnet, dann nur über die nichtmüllerischen Nebenerwerbe und einen wirklich ausreichend großen Zustrom an Besuchern.

Grüßli und GZ!



Flo der Liebe

Askop
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Beiträge: 610

13.01.2011 18:01
#7 RE: Neuer Paltrock für Schönwalde bei Lübben/Brandenburg Zitat · Antworten

Zitat von ultratrieur
GEGEN das Projekt spricht die mangelnde Nachhaltigkeit... Wenn sich sowas rechnet, dann nur über die nichtmüllerischen Nebenerwerbe und einen wirklich ausreichend großen Zustrom an Besuchern.

Ist schon mal ein guter Anfang.

Allerdings sehe ich die finanzielle Seite nur als einen Aspekt des Vorhabens. Deshalb bohre ich noch mal etwas weiter!

1. Was ist mit der allgemeinen Betriebsgefahr, die mit der Mühle verbunden ist?
"Standort soll eine kommunale Fläche zwischen dem Obstgarten und dem Rodelberg unmittelbar an der Grundschule werden. 'Die Schüler könnten als kleine Mühlenexperten den Aufbau und späteren Betrieb während des Unterrichts begleiten', sagt der Vorsitzende" (des Mühlenvereins und zugleich Bürgermeister, K.R.).

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2. Wie werden die Lehrer reagieren, wenn sich vor den Fenstern der Schule die Flügel drehen und ggfs. Schattenwurf und Geräusche produzieren? (Siehe Landkarte! Wenn die nicht angezeigt wird, dann bei GooglEarth nach 15910 Schönwalde suchen. Die Schule steht am südlichen Ortsrand rechts an der Straße nach Freiwalde)

3. Was ist mit der sachkundigen Rundumbetreuung, Bedienung und Wartung durch qualifiziertes Personal?
Schlimmstenfalls müsste auch am Heiligabend jemand zur Mühle gehen, wenn Gefahr angesagt ist (Orkan).

4. Was ist mit der Infrastruktur, falls die Mühle auch touristisch genutzt werden soll?
Erfahrungsgemäß wird's ohne vernünftige Zuwegung, Parkplatz und Toiletten mit Wasser-/Abwasseranschluß und Stromanschluß nicht gehen. IMHO braucht's sogar ein kleines Gebäude als Werkstatt und Material- resp. Geräteraum.

Glück zu!

ultratrieur



Beiträge: 2.209

14.01.2011 09:51
#8 RE: Neuer Paltrock für Schönwalde bei Lübben/Brandenburg Zitat · Antworten

Zitat
1. Was ist mit der allgemeinen Betriebsgefahr, die mit der Mühle verbunden ist?

Naja, das will ich mal nicht überbewerten - die Flügel würden zwar in einer Höhe drehen, wo erwachsene Köppe bedroht wären, aber das gibt es bei jedem schnöden Erdholländer genau so. Es versaut zwar die Optik, aber an einem Ort mit viel Besucherverkehr würde ich doch für eine Umzäunung der Mühle und mobile Absperrung des jeweils gefährdeten Drehbereichs unter den Flügeln plädieren!
Ansonsten halte ich die Mühle für relativ gut zu sichern - drehende Wellen und offene Riementriebe im zugänglichen Bereich brauchen eben Schutzeinrichtungen, es muss hell genug sein, damit man erkennt, wo eine Treppe ist und Luken vom Sackaufzug sollten so gebaut sein, dass man sie nicht voll aufgeklappt stehen lassen kann... so in der Art kann man viel machen, damit auch BGen mitziehen... da gibt's ja auch in Straupitz gute Erfahrungen .

UNd zu guterletzt: Der Schrotgang sollte neue Steine MIT Stahlreifen bekommen *LOL*!

Zitat
2. Wie werden die Lehrer reagieren, wenn sich vor den Fenstern der Schule die Flügel drehen ...

Das soll nun wohl wirklich nicht das Problem sein... Die Ablenkung der Schüler dürfte sich nach der ersten Euphorie in Grenzen halten. Drehende Flügel sind dann nicht interessanter, als wenn in Berlin ein Doppelstockbus vorbei fährt oder in NYC eine Mülltonne umfällt. Und die Geräusche? Ortsüblich. Wer grunzende Schweine und krähende Hähne als Nachbarn hat, der hält wohl auch eine Windmühle aus.

Zitat
3. Was ist mit der sachkundigen Rundumbetreuung, Bedienung und Wartung durch qualifiziertes Personal?

Mit einer gesunden Portion Fatalismus könnte man sagen, dass diese Frage ja eigentlich nie und nirgendwo in unserer schönen Republik bisher eine Rolle gespielt hat, wenn es um die Förderung und Realisierung von Mühlenprojekten ging.

Spaß beiseite: das ist einer meiner zentralen Kritikpunkte an der Sache. Es wird sehr schwer werden, jemanden zu finden, der die benötigten Qualifikationen mitbringt oder sie in der Aufbauphase erwirbt. Hält man sich aber mal vor Augen, was der- oder diejenige alles können muss (Müllerei, Öffentlichkeitsarbeit, allgem. Management, Marketing, ggf. Mitarbeiterführung... und und und), dann ist klar, dass man so jemanden nicht für'n Appel und 'n Ei bekommt. Die Zeiten, wo man in den jungen Bundesländern noch hoch motivierte und fortbildungswillige - aber arbeitslose - Lehrer im mittleren Alter als Mülenmanager in spe gefunden hat, sind einfach vorbei!

Zitat
4. Was ist mit der Infrastruktur, falls die Mühle auch touristisch genutzt werden soll?

Vielleixht kann man da ja die Nähe des öffentlichen Gebäudes Schule ins Spiel bringen? Nicht, dass Müller und Touristen auf's Schulklo gehen sollen und der Müller in der Werkstatt des Hausmeisters Jalousieklappen zusammennagelt... aber zumindest gibt die räumliche Nähe die Möglichkeit daran zu denken, das irgendwie dort unterzubringen. Ansonsten empfehle ich:

und oder

Grüßli und GZ!



Flo der Liebe

Askop
Administrator


Beiträge: 610

14.01.2011 13:37
#9 RE: Neuer Paltrock für Schönwalde bei Lübben/Brandenburg Zitat · Antworten

Zitat von ultratrieur
Und die Geräusche? Ortsüblich. Wer grunzende Schweine und krähende Hähne als Nachbarn hat, der hält wohl auch eine Windmühle aus.

Also da kenne ich andere Beispiele, z.B. einen rüstiger Vorruheständler, der direkt neben einer Windmühle wohnt! Der fühlte sich belästigt und wollte mit Hilfe des Ordnungsamtes das Drehen der Flügel am Vormittag und während der Mittagsruhe verbieten lassen, weil er sich in dieser Zeit hinlegen müsse wegen seiner nächtlichen Zeitungsausträgerei ab 3 Uhr morgens. Das Ordnungsamt hat dann eine Dezibelmessung durchgeführt und den Antrag agelehnt. Daraufhin legte der Nachbar Beschwerde ein mit der Begründung, ihn störe nicht die Lautstärke an sich, sondern die "Monotonie der Geräusche" (rhytmisches Klackern der Jalousieklappen). Zum Glück ist das Ordnungsamt nicht weiter drauf eingegangen.

Auch von einem anderen Nachbarn gab es Anzeigen wegen "Störung und Beeinträchtigung des Wohlbefindens" aufgrund erhöhten Verkehrsaufkommens durch die Besucher der Mühle, weil die Besucherfahrzeuge und unzählige Radler unmittelbar an seinem Wohnzimmerfenster vorbei fahren.
Ist aber auch nicht durchgekommen.

Zitat von ultratrieur
Es wird sehr schwer werden, jemanden zu finden, der die benötigten Qualifikationen mitbringt oder sie in der Aufbauphase erwirbt. Hält man sich aber mal vor Augen, was der- oder diejenige alles können muss (Müllerei, Öffentlichkeitsarbeit, allgem. Management, Marketing, ggf. Mitarbeiterführung... und und und), dann ist klar, dass man so jemanden nicht für'n Appel und 'n Ei bekommt.

Das stimmt ja. Allerdings glaube ich nicht, dass sich der Schönwalder Mühlen(betreiber)verein einen hauptberuflichen Müller oder Mühlenwart wird leisten können. Vielmehr wird's wohl - wie vielfach auch anderswo - auf eine ehrenamtliche Betreuung der Mühle (falls sie denn kommt) durch die Vereinsmitglieder hinauslaufen. Was aber nichts an dem Anspruch und der Notwendigkeit einer spezifischen Qualifikation des künftigen Mühlenpersonals ändern würde!

Möglicherweise ist ja den Schönwalder Mühlenenthusiasten zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch gar nicht bewußt, dass eine Windmühle absolut kein Spielzeug ist und eine ständige Aufsicht und Betreuung durch sachkundiges Personal erfordert. Schon allein zur Abwehr von Gefahren für das Bauwerk selber wie auch für Personen in der Umgebung als auch für den sorgsamen Umgang mit Fördergeldern. Nicht ohne Grund hat man in den Niederlanden, an der Britzer Windmühle in Berlin und an einigen Volkshochschulen in Niedersachsen Lehrgänge eingerichtet, wo interessierte Bürger als "freiwillige Müller" ausgebildet werden und die erforderlichen Kenntnisse und praktischen Erfahrungen im sicheren Umgang und der Bedienung einer Windmühle vermittelt bekommen.

Also: Zeitgleich mit dem Wiederaufbau der Mühle müßten "freiwillige Müller" ausgebildet werden!

Zitat
Vielleicht kann man da ja die Nähe des öffentlichen Gebäudes Schule ins Spiel bringen? Nicht, dass Müller und Touristen auf's Schulklo gehen sollen und der Müller in der Werkstatt des Hausmeisters Jalousieklappen zusammennagelt... aber zumindest gibt die räumliche Nähe die Möglichkeit daran zu denken, das irgendwie dort unterzubringen. Ansonsten empfehle ich:


Ach nö, so'n Teil hatten wir anfangs auch auf der Mühle. Kostet pro Woche wohl umme 50,- Euro, macht im Jahr 2.650 €! Da brauchste schon mind. 1.700 zahlende Besucher (je 1,50€ im Durchschnitt), um alleine das Klo zu finanzieren. Unmöglich!

Falls die Mühle auch an Wochenden und Feiertagen (Ostern/Pfingsten) geöffnet werden soll, scheidet die Schulvariante sowieso aus. Außerdem gäbe es wohl rechtliche Probleme, denn die Schule ist Kommunaleigentum, die Mühle aber Vereinseigentum.

Doch laut Aussage des MüV-Vors./Bürgermeisters wäre auch der Bau eines Cafés denkbar. Abgesehen davon, dass der Verein das Café aus gemeinnützigkeitsrechtlichen Gründen nicht selber betreiben könnte, bliebe die Frage nach der Finanzierbarkeit (das wäre nicht förderfähig) und der laufenden Betriebs- bzw. Folgekosten außerhalb der Touristensaison. Unser Müllerhaus z.B. kostet über die Wintermonate richtig viel Geld (muß ja geheizt werden) und ist aufgrund fehlender Einnahmen in dieser Zeit nur durch die Reserven aus den Sommereinnahmen zu finanzieren.


Was mich sost noch bewegt bei dem Schönwalder Vorhaben:

Der Bürgermeister und Vereinsvorsitzende rechnet mit 15.000 € Betreiberkosten jährlich und sagt: "Wir wollen die Mühle wirtschaftlich betreiben." Und: "Die Firma Notus Energy, die in den vergangen Jahren mehrere Windkraftanlagen in der Gemeinde Schönwald errichtet hat ... will uns mit jährlich mehreren Tausend Euro unterstützen."

Na schön! Abgesehen davon, dass die angekündigte wirtschaftliche Betreibung der Mühle mit Mühlenführungen, Schaumahlen, Brotbacken und Veranstaltungen eher einem Zweckoptimismus zur Erlangung von Fördergeldern entspringt, aber dennoch sehr unwahrscheinlich ist (dafür gibt es hunderte von Beispielen in Deutschland), ergibt sich ja folgende spannende Frage: was wird, wenn die Sponsorfirma - aus welchen Gründen auch immer - irgendwann mal den Geldhahn zudreht oder gar nicht mehr existiert? Welche Lebensdauer haben die WIndgeneratoren der Firma, wann wird die Firma den Standort wegen Unwirtschaftlichkeit aufgeben? In 10, 20, 30 Jahren? Was dann? Die Mühle aber wird auch dann noch stehen, mit Sicherheit! Werden dann die Kinder und Enkel der heutigen Mühlenbefürworter dafür einstehen (und bluten) müssen für das, was ihnen heute aus Verkennung der Realität eingebrockt wird?

Es gibt auch in heutiger Zeit leider viel zu viele Beispiele in Deutschland, wo der Besitz einer historischen Mühle eher Fluch und Last ist als Segen. Da fragt man sich doch unwillkürlich, warum sich dieses jemand freiwillig antun möchte?!







[/quote]

Glück zu!

Ansgar



Beiträge: 441

15.01.2011 17:06
#10 RE: Neuer Paltrock für Schönwalde bei Lübben/Brandenburg Zitat · Antworten

Und wer im Verein hat langfristig genügend Durchhaltevermögen, um sich mit den ganzen Bürokraten auseinanderzusetzen? Die meisten Leute resignieren irgendwann. Eine Windmühle neben einer Schule mit Flügeln bis zum Boden halte ich für riskant. Es ist heutzutage schon schwer genug, die Kinder im Unterricht unter Kontrolle zu halten. Obwohl es beispielsweise im Winter an Schulen wegen Verletzungsgefahr verboten ist, Schneebälle zu werfen, machen die Kinder es trotzdem, mir völlig unverständlich.

Es gibt immer mal Kinder, die eine Freistunde haben, zu spät kommen oder aufgrund von assozialem Verhalten den Unterricht schwänzen. Die könnten dann relativ unbemerkt das Mühlengelände betreten und mal eben von den drehenden Flügeln weggeklatscht werden, wenn der Müller bei laufender Mühle im Innern beschäftigt ist. Wäre ja sicher auch eine gute Mutprobe (für die Kids). Also müßte man die Mühle mit einem hohen Zaun umgeben, was wieder total schäbig aussieht. Oder eine zweite Person abstellen, die immer sicherstellt, das sich niemand im Gefahrenbereich aufhält.

Was passiert bei Sturm, wenn in der Schule Unterricht ist? Es sind schon oft Teile von Flügeln abgebrochen und irgendwo draufgekracht.

CU

Ansgar


Eine Mühle ohne Wasserrad ist keine Mühle.

Askop
Administrator


Beiträge: 610

15.01.2011 17:45
#11 RE: Neuer Paltrock für Schönwalde bei Lübben/Brandenburg Zitat · Antworten

Zitat von Ansgar
Was passiert bei Sturm, wenn in der Schule Unterricht ist? Es sind schon oft Teile von Flügeln abgebrochen und irgendwo draufgekracht.

Mönsch Ansgar, jetzt bin ich aber richtig stolz auf auf Dich!

Von Dir als bekennendem Wasserradfreak hätte ich so 'nen sachlich-fachlich guten Beitrag zu einer (ach wie unromantischen!) Windmühle nun wirklich nicht erwartet. Noch vor 1 Jahr wäre Dir so'n Posting vermutlich nicht mal im Traume eingefallen!? Da kann man mal sehen, was 'ne gute (Windmüller)Schule so ausmacht.

Glück zu!

Ansgar



Beiträge: 441

15.01.2011 17:56
#12 RE: Neuer Paltrock für Schönwalde bei Lübben/Brandenburg Zitat · Antworten

Unterschätz mich nicht, diese Intelligenz ist mir von Natur aus gegeben.

Ich dachte eher daran, daß Jürgen Wolf mal im Forum schrieb, daß bei einem plötzlichen Sturm in seinem Beisein auch etwas von den Flügeln abgebrochen war. Und die Marzahner Mühle wird ja gut gepflegt. Oder andere Fälle von Kyrill:

http://www.krosigker-muehlen.de/6.html


CU

Ansgar


Eine Mühle ohne Wasserrad ist keine Mühle.

Askop
Administrator


Beiträge: 610

15.01.2011 18:11
#13 RE: Neuer Paltrock für Schönwalde bei Lübben/Brandenburg Zitat · Antworten

Zitat von Ansgar
Ich dachte eher daran, daß Jürgen Wolf mal im Forum schrieb, daß bei einem plötzlichen Sturm in seinem Beisein auch etwas von den Flügeln abgebrochen war. Und die Marzahner Mühle wird ja gut gepflegt.

Da war nicht nur "was von den Flügeln" abgebrochen, sondern ein ganzer Flügel.

Das ist aber anderswo auch schon passiert: allein an der Kottmarsdorfer Bockwindmühle drei Mal (Oberlausitz, Landkreis Görlitz).

Letztes Jahr hats an der Windmühle Hollern-Twielenfleth (Krs. Stade) knicki-knacki gemacht: Flügel abgebrochen. Dabei war die Flügelrute nicht mal aus Holz wie in Kottmarsdorf, sondern aus Stahl!

Vor Jahren ist sogar mal ein gesamtes Flügelkreuz runtergekommen und lag plötzlich vor der Mühle: ich meine, das war Eckartsberga (Burgenlandkreis/Sa-Anh.)

Glück zu!

ultratrieur



Beiträge: 2.209

17.01.2011 10:39
#14 Abbrechende Flügel Zitat · Antworten

Moin alle,

von so einer pauschalen Heraufbeschwörung der Gefahr des abbrechenden Flügels halte ich wenig. Das ist nur Wasser auf die Mühlen derer, die das Haar in der Suppe suchen bzw. nach Strohhalmen greifen, wenn es darum geht, Windmühlen zu beflügeln, die ja angeblich die Wohngebieten bedrohen, die in der Zeit ohne Betrieb um sie herum gewachsen sind.

Schaut man sich die Einzelfälle mal jeweils unter der Lupe an, wird schnell klar, dass viele der schlimmen Ereignisse hätten verhindert werden können. Es geht in den meisten Fällen um Konstruktionsfehler (Twielenfleth und Alkmaar), z.T. verbunden mit zu lascher regelmäßiger Kontrolle (was jetzt kein Vorwurf sein soll).

Dann gibt's da die Fälle wie z.B. Marzahn, wo die Verwendung von Abfallholz (man kann's nicht anders sagen) durch den an der Mühle bauenden Betrieb zum Schaden geführt hat, ohne dass Jürgen da wirklich ne Chance hatte, dran zu drehen. Beim zweiten Mal, wo der von ihm selbst gebaute Flügel dran glauben musste, würde ich wirklich mal vom unabwendbaren Schicksal sprechen...

Fürstlich Drehna (da ist das komplette Kreuz inkl. Wellkopf aus der maroden Welle gebrochen) war ein hausgemachtes Problem. Wer 'nen Gusskopf in eine dermaßen gammelige Welle setzt, der legt's echt drauf an, dass sowas passiert. Ist ja auch nich so, dass denen das vorher keiner gesagt hat, dass das passieren wird, wenn man sich partout keine neue Welle leisten will. .

Eckartsberga hat Rückenwind bekommen, daraufhin ist das halbe Windrad weg gesegelt - das war einfach die Quittung dafür, dass die Mühle uuunbedingt "fertig" aussehen musste und deswegen Klappen dran waren, bevor die Windrose ging.

Krosigk stand vermutlich nicht auf dem Wind - selbst einfachste Sicherungsmaßnahmen wie unterkeilte Ecksäulen oder ein sicher untergeklemmter Schrick dürften auch in der (angekündigten) Sturmsituation nicht fachgerecht gesetzt gewesen sein. Wer sein Auto ungebremst und im Leerlauf am Hang abstellt, muss sich eben nicht wundern, wenn's anfängt zu rollen.

Gruß und GZ!



Flo der Liebe

Askop
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Beiträge: 610

17.01.2011 11:27
#15 RE: Abbrechende Flügel Zitat · Antworten

Zitat von ultratrieur
Schaut man sich die Einzelfälle mal jeweils unter der Lupe an, wird schnell klar, dass viele der schlimmen Ereignisse hätten verhindert werden können.

Ja richtig! Aber die von Dir genannten "Einzelfälle" machen doch eins deutlich: Sie sind vor allem und in erster Linie das traurige Ergebnis mangelnder Qualifizierung und/oder Sorglosigkeit und Schlamperei der Verantwortlichen für die Mühle.

In Bezug auf Schönwalde bedeutet das, dass sich die dortigen Verantwortlichen bereits im Vorfeld darüber klar sein sollten, dass eine Mühle eben kein Spielzeug ist, was man nach Belieben und Gutdünken mal in die Hand nimmt oder ... je nach Lust und Laune auch mal wochenlang nicht in die Hand nimmt bzw. ansieht. Eine Mühle, noch dazu eine voll funktstionstüchtige Windmühle, braucht eine fachkundige Rundumbetreuung und -aufsicht zu jeder (Tages- oder Nacht)Zeit und auch - falls erforderlich - an Sonn- und Feiertagen.

Wenn das nicht auf Dauer bzw. Jahrzehnte lang(!) gewährleistet ist, kann man sich alle Mühe und Kosten sparen und braucht so ein Teil gar nicht erst aufzustellen.

Glück zu!

ultratrieur



Beiträge: 2.209

17.01.2011 14:02
#16 RE: Abbrechende Flügel Zitat · Antworten

Zitat
Aber die von Dir genannten "Einzelfälle" machen doch eins deutlich: Sie sind vor allem und in erster Linie das traurige Ergebnis mangelnder Qualifizierung und/oder Sorglosigkeit und Schlamperei der Verantwortlichen für die Mühle.

Naja, ich prangere ja auch immer gerne die Schlamperei minderqualifizierter "Betreiber" an - die Fälle Alkmaar, Twielenfleth und auch Marzahn (erster Bruch) sprechen eindeutig eine andere Sprache. In allen drei Fällen gebe ich die Schuld nicht dem Betreiber, sondern den an den Mühlen bauenden Betrieben bzw. im Falle Marzahn einer Zimmerei, die einem durchaus fachlich versierten echten Mühlenbauer Abfallholz zum Rutenbau vorgeschmissen hat. Bei den erwähnten Stahlruten waren es eindeutige und recht hahnebüchene konstruktive Mängel, die letztendlich durch Materialermüdung zum Bruch geführt haben. Das ist es übrigens auch, was mir ziemliche Angst macht: an den beiden genannten Mühlen waren die Stahlruten im täglichen Einsatz - wie viele Wochenenddreher gleicher Konstruktion werden das Problem zeitversetzt in ein paar Jahren haben, wenn die die Laufleistungen dieser beiden Vieldreher erreicht haben???

Gruß und GZ!



Flo der Liebe

Askop
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17.01.2011 14:19
#17 RE: Abbrechende Flügel Zitat · Antworten

Zitat von ultratrieur
Alkmaar, Twielenfleth und auch Marzahn ... In allen drei Fällen gebe ich die Schuld nicht dem Betreiber

Okay, aber die größeren Schäden, Verluste, Kosten und Gefährdungssituationen sind doch durch mangelnde Betreuung verursacht worden?! Auch wenn man es - wie im Falle Eisbergen - anders sieht.

Glück zu!

Ansgar



Beiträge: 441

17.01.2011 14:41
#18 RE: Abbrechende Flügel Zitat · Antworten

In meinen Augen kann man das ganze auf wenige Punkte reduzieren. Sind die Leute vom Mühlenverein Schönwettermüller, die sich nicht gründlich um die Mühle kümmern oder richtige Macher, die mit der Mühle verheiratet sind und immer ein wachsames Auge darauf haben? Für eine Mühle mit täglichem Publikumsverkehr muß letzteres gewährleistet sein, so ein Flügel kann ja auch ein paar Meter fliegen, und wenn an einer Schule jeden Tag hunderte Kinder und dutzende Lehrer unterwegs sind, ist das schon ein Risiko. Die meisten anderen Windmühlen, die ich kenne, liegen etwas abseits der Zivilisation. Wenn da mal ein Flügel runterkommt, landet er meistens auf dem Acker oder irgendwo im Garten, die Personenanzahl im Gefahrenbereich ist aber eher gering.
Was ist wahrscheinlicher, daß irgendwo ein Flügel abbricht oder sich ein Mühlstein ohne Metallring in seine Einzelteile zerlegt? Letzteres habe ich zumindest noch nicht gehört in den letzten Jahren.

CU

Ansgar


Eine Mühle ohne Wasserrad ist keine Mühle.

ultratrieur



Beiträge: 2.209

17.01.2011 14:43
#19 RE: Abbrechende Flügel Zitat · Antworten

Zumindest hätten sie verhindert oder wenigstens minimiert werden können. In Eisbergen wäre wahrscheinlich mehr Substanz übrig geblieben, wenn jemand zur rechten Zeit einfach mal die Bremse los gemacht hätte ... OK, man hätte dann natürlich nebenan die Autobahn sperren lassen müssen. Man möchte sich ja nicht ausmalen, was hätte passieren können wenn da ein halber Flügel quer auf der Fahrbahn gelegen hätte... also vielleicht soch die richitge Entscheidung, die Mühle einfach abfackeln zu lassen?? Zumal es ja offenbar kein Problem war, ein neues Spielzeug gesponsort zu bekommen????



Flo der Liebe

Askop
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Beiträge: 610

17.01.2011 15:04
#20 RE: Abbrechende Flügel Zitat · Antworten

Zitat von ultratrieur
Zumindest hätten sie verhindert oder wenigstens minimiert werden können. In Eisbergen wäre wahrscheinlich mehr Substanz übrig geblieben, wenn jemand zur rechten Zeit einfach mal die Bremse los gemacht hätte ...

Witzbold!
Meinste nicht auch, dass ein einfacher Holzpfahl (oder zwei wie in Straupitz) zum Abstützen der Radarme oder ein Spanngurt zwischen Kammrad und Eiserbalken als Drehverhinderer der Flügelwelle ausgereicht hätte, um den Großbrand mit Totalverlust zu verhindern? Ansonsten hast Recht: wenn sich bei angesagtem Sturm erst dann jemand zur Mühle begibt, wenn die schon in Flammen steht und lichterloh und unrettbar brennt, dann muss man nicht viel Worte verlieren über eine qualifizierte Betreuung.

Glück zu!

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